Wiblingwerde

Die spätromanische Dorfkirche in Wiblingwerde

Bereits als sächsische Kultstätte von Bedeutung

Die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde liegt mitten im Märkischen Sauerland. Die Schönheit der Natur sowie prachtvolle Laub- und Nadelwälder bieten in Verbindung mit vielen Sehenswürdigkeiten Entspannung pur.

Der Ortsteil Wiblingwerde liegt auf dem Höhenrücken des Sauerlandes und hatte bereits als sächsische Kultstätte Bedeutung. Unter Karl dem Großen gehörte Wiblingwerde als ‚Curtis‘ zum Reichshof nach Dortmund. Die Taufkapelle aus karolingischer Zeit war die Vorgängerin der im 13. Jahrhundert errichteten Kirche Wiblingwerde. Als sogenannte Eigenkirche unterstand sie unmittelbar dem Kaiser oder König. Die Einwohner von Wiblingwerde wurden getrennt von den märkischen Untertanen aufgeführt.

Spätromanische Dorfkirche

Spätromanische Dorfkirche St. Johannes in WiblingwerdeSeit alters her ist die spätromanische Kirche St. Johannes Mittelpunkt des Dorfes Wiblingwerde. Sie beeindruckt durch ihre schlichte Schönheit jeden, der sie betritt. Das Patrozinium Johannes des Täufers weist darauf hin, dass Wiblingwerde ein bedeutender christlicher Taufort und somit ein sehr alter und wichtiger Pfarrort war.

Ursprünglich hatte die Kirche einen rechteckigen Chor mit Rundapsis und einen fast quadratischen Grundriss. Die spätromanische Bauweise als zweijochige Hallenkirche mit drei Schiffen, einer Hauptapsis im Vorjoch und zwei Absidiolen in den Ostwänden der Seitenschiffe weist auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts als Bauzeit hin.

Im Mittelschiff und Chorjoch hat die Kirche kuppelartige Kreuzgradgewölbe und zugespitzte Gurt- und Scheidbögen. Der Chorjochbogen ruht auf halbrunden Vorlagen mit Würfelkapitellen. Auffallend ist, dass die Seitenapsiden, in denen früher Altäre gestanden haben, schräg gestellt sind. Darüber hinaus sind die breiter werdenden Quergurte und in den Seitenschiffen die eigenartige Gewölbebildung erwähnenswert. Zu erklären sind diese Besonderheiten als Entlehnungen aus der fränkisch-karolingischen Kultur.

Das Langhausfenster wurde offenbar nachträglich nach unten vergrößert. Der markante Westturm trägt eine spitze, schiefergedeckte polygonale Haube. Ursprünglich war der Turm nicht in das Kirchenhaus einbezogen; er diente zugleich als Wehrturm und war daher nur vom Kirchenschiff aus zugänglich.

Bei der Renovierung 1968 wurde der romanische Taufstein, der vielleicht schon aus der Vorgängerkirche stammt, wieder in der Kirche aufgestellt. Er hatte lange Zeit zweckentfremdet als Viehtränke gedient und dann u. a. vor dem Eingang der Kirche gestanden. Heute werden über ihm wieder die Kinder der Gemeinde getauft.

Der Johannisborn

Der Johannisborn in Wiblingwerde am Weg nach Gut SassenscheidDer Johannisborn am Weg nach Gut Sassenscheid ist das älteste Kulturdenkmal der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde. Ursprünglich gingen die erwachsenen Täuflinge, angetan mit einem langen weißen Taufkleid, am Sonntag nach Ostern von Wiblingwerde zum Johannisborn, um dort die heilige Taufe zu empfangen. Noch in späteren Zeiten wurde das Taufwasser für die Johanneskirche in Wiblingwerde aus dem Johannisborn geholt. Im Jahr 1954 wurde der Quell in Bruchsteine gefasst. Fritz Korte entwarf das Steinrelief, das eine mittelalterliche Taufszene zeigt.

Laut einer Legende war der Johannisborn in vorchristlicher Zeit ein geweihter Ort der Sachsen. Um 800 errichteten die Franken nahe diesem Ort eine Missionsstätte. Der Born, wahrscheinlich eine der ältesten christlichen Stätten im Sauerland, wurde zur Taufstätte. Für die Taufe kam aber nicht jedes beliebige Quellwasser in Frage. Nur das Wasser einer Quelle, die sich nach Osten und damit zum aufgehenden Licht ergoss, konnte heilende und wundersame Kräfte enthalten. Für die Christen ist der auferstandene Herr das Licht der Welt, die Sonne sein schwacher Abglanz. Quellen, wie der Johannisborn, auf die dieses zutrifft, machten die Franken daher zu Tauforten und widmeten diese Johannes dem Täufer.

Kornspieker von 1597

Kornspieker von 1597 vom Hofe Kreinberg in WiblingwerdeDer Kornspeicher vom Hofe am Kreinberg trägt die Jahreszahl 1597. Im Jahre 1936 musste er dem Neubau einer Scheune mit Stall, Keller und Remise weichen. Da der Kornspeicher aber bereits damals als wichtiges Kulturdenkmal angesehen wurde, setzte die Baugenehmigungsbehörde gleichzeitig seine Wiedererrichtung auf dem Schulhof in Wiblingwerde fest. Seit 1982 wird der alte Kornspeicher ausschließlich vom Jugend-Rote-Kreuz genutzt.

Die Begriffe Haferkasten und Kornkasten sind je nach Region unterschiedlich, jedoch thematisch ähnlich. Ein Kornkasten ist zumeist ein solide gebautes, kleines Speichergebäude (‚Spieker‘), das im 15. bis 18. Jahrhundert zur Aufbewahrung von Getreide oder Saatgut diente.  Diese Gebäude waren meist abseits von Bauernhäusern oder Gütern errichtet worden, um im Falle eines der häufigen Brände nicht auch noch die existentiell notwendigen Wintervorräte zu verlieren.

Derartige Kornkästen sind häufig im Märkischen Sauerland zu finden. Sie waren nicht für eine dauerhafte Lagerung von Getreide vorgesehen. Vielmehr wurde in ihnen der Kornzehnt der abgabenpflichtigen Höfe gesammelt, von dem die berechtigten Personen, also vornehmlich der Pfarrer, aber auch der Lehrer und der Küster zum festgesetzten Termin ihren Anteil abholen konnten. Über die Ein- und Ausgänge wurde genau Buch geführt. Auffällig an diesen kleinen Baukörpern ist eine konstruktive und auch größenmäßige Ähnlichkeit zu den Bauten der Wikingerzeit und zu den norwegischen Stabbauten des 11. Jahrhunderts. In der Zeit von 900-1577 wurden die Baukonstruktionen von Dithmarschen ins Sauerland gebracht.

Über Dieter

Nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit seit dem 1.10.2012 im Ruhestand. Meine freie Zeit verbringe ich mit Fotografieren, ehrenamtlicher Web-Administration, Desktop Publishing, Digitalisierung von Fonts, Digitalisierung von Hörspielen usw. Daneben interessiere ich mich für Theater und für Kunstgeschichte sowie Geschichte allgemein.
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3 Antworten auf Wiblingwerde

  1. Siegfried Kruse sagt:

    Lieber Dieter,
    Der Kornspieker auf dem Schulhof der Grundschule Wiblingwerde ist liebevoll restauriert und wird seit geraumer Zeit vom Heimat- und Verkehrsverein Nachrodt – Wiblingwerde genutzt. Er enthält unter anderem eine Schuhmacher – Werkstatt und ein Klassenzimmer – Detail aus den 50 er Jahren des 20. Jahrhunderts.
    Besichtigung nach Vereinbarung möglich.
    Mit frdl. Grüßen

    S.Kruse

    • Dieter sagt:

      Lieber Siegfried,
      vielen Dank für den Hinweis. Ich plane im Sommer eine Wanderung über den Plackweg von Hohenlimburg nach Altena. Ich weiß nur noch nicht, wie ich den Steilabstieg von Wieblingswerde bewältigen kann. Jedenfalls werde ich dann am Kornspieker vorbeischauen.
      Mit freundlichen Grüßen
      Dieter Steffmann

  2. Horst s. Rother sagt:

    Lieber Siegfried,
    den von Dir beschriebenen Weg bin ich auch schon gewandert.
    Die Aussichten sind teilweise begeisternd und man kommt sich wie im Schwarzwald vor. Ich hätte da noch einen Vorschlag für so`n kleinen Abstecher zum Kornspeicher
    auf dem alten Bauerngut Grenningloh. Insgesamt lohnens – und bewunderungswert.
    Mit freundlichen Grüßen
    Horst S. Rother

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