Stadtrundgang Marburg

Historisches Rathaus

Von der Elisabethkirche zum Landgrafenschloss

Universitätsstadt Marburg

Kreuzung der Elisabethstraße mit der DeutschhausstraßeDie alte, von jeher durch den letzten Aufenthalt, Tod und Begräbnis der Heiligen Landgräfin Elisabeth von Thüringen berühmte Stadt, liegt krumm, schief und buckelig unter einer alten Burg, den Berg hinab. So urteilte vor mehr als 200 Jahren der Marburger Professor Johann Heinrich Jung-Stilling über die Stadt an der Lahn und rühmte gleichzeitig, dass die Umgebung der Stadt schön und sehr angenehm sei. Durch Jahrhunderte hindurch nahezu unverändert in ihren wesentlichen Bestandteilen, erhebt sich die Häuserkulisse der Altstadt mit dem Marburger Schloss als Stadtkrone und der Elisabethkirche über dem Lahntal. Diese Altstadt gibt Marburg das charakteristische Aussehen und ist Marburgs Touristenattraktion.

Bahnhof Marburg (Lahn)

Bahnhof Marburg (Lahn)Das erste Empfangsgebäude stammte von Julius Eugen Ruhl. 1907 wurde es im Zuge einer Erweiterung des Bahnhofs durch ein von dem Architekten Alois Holtmeyer entworfenes Empfangsgebäude ersetzt. Nachdem dieses Empfangsgebäude im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, wurde seine äußere neobarocke Form nach Kriegsende weitgehend wiederhergestellt. Ab 2011 wurde der Bahnhof umfassend renoviert. Das Empfangsgebäude und die übrigen Hochbauten des Bahnhofs sind heute überwiegend Kulturdenkmäler nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Im Norden von Marburg Im Verlauf der Bahnhofstraße wurden gleichzeitig zwei weitere Steinbrücken über vorhandenen Mühlgräben errichtetwurde 1723 eine zweite Steinbrücke, die Elisabethbrücke, errichtet. Über sie lief die Poststraße nach Cölbe beziehungsweise Kassel. Diese Brücke wurde 1867 erneuert mit weiten Segmentbogen. Über sie führte die Bahnhofstraße als Verbindung der Stadt zu dem weit außerhalb angelegten Bahnhof der Main-Weser-Bahn, die am 3. April 1850 eingeweiht worden war. Im Verlauf der Bahnhofstraße wurden gleichzeitig zwei weitere Steinbrücken über vorhandenen Mühlgräben errichtet und die gesamte Straße einen Meter höher gelegt, um zu verhindern, dass Hochwasser die Verbindung zum Bahnhof behindert. Seit dieser Zeit wird die Elisabethbrücke auch Bahnhofsbrücke genannt.

Elisabethkirche

ElisabethkircheDer Bauherr im 13. Jahrhundert war der damals sehr mächtige und begüterte Deutsche Orden, der seine Kirchenbauten immer der eigenen Schutzpatronin, der Jungfrau Maria, weihte. Die zentrale Funktion der Kirche als Grabstätte der Heiligen Elisabeth (1207–1231, heilig gesprochen 1235) und als Pilgerkirche über dem Grab der Heiligen überwog jedoch im Bewusstsein der Bevölkerung ihrer Funktion als Ordenskirche bei weitem. So setzte sich der Name Elisabethkirche klar durch. Portal der ElisabethkircheKnapp 50 Jahre dauerte der Kirchenbau (Baubeginn 1235, Weihe 1283). Bis zur Vollendung der beiden 80 Meter hohen Türme waren nochmals ungefähr 50 Jahre nötig. Als erste rein gotische Hallenkirche auf deutschem Boden kommt der Elisabethkirche kunsthistorisch eine besondere Bedeutung zu. Die überaus  schlichte frühgotische Architektur des Bauwerks ist für viele Besucherinnen und Besucher ein besonderes Erlebnis, auch wenn die ursprünglichen Wandmalereien seit Elisabethkirche inneneinem Bildersturm im Jahr 1619 größtenteils zerstört sind. Erhalten ist der gotische Hochaltar aus Sandstein von 1290 im Hohen Chor (Ostchor). Hier kommt der Kontrast zwischen früher Gotik (Kirche) und Hochgotik (Altar) wirkungsvoll zur Geltung. Die Fensterfront hinter dem Hochaltar zieren romanische und gotische Buntglasfenster. Skulptur der Hl. ElisabethIm Nordchor befindet sich die Grabstätte der Heiligen. Ursprünglich lag diese innerhalb des von Elisabeth selbst 1228 hier am Rande von Marburg gegründeten Hospitals. Elisabeth war 1231 vor dem Altar der Hospitalkapelle begraben worden. Beim Kirchenneubau nach ihrer Heiligsprechung 1235 wurde diese Grabstätte direkt in das Gebäude einbezogen. Bereits 1236 waren die Gebeine der Heiligen aber bei einer feierlichen Triptychon in der ElisabethkircheZeremonie dem Grab entnommen worden. Der extra für diese Gebeine angefertigte Schrein, eine überaus  schöne  kunsthandwerkliche Kostbarkeit, wird seit Jahrhunderten in der Sakristei der Kirche aufbewahrt. Seit der Reformation befinden sich allerdings keine Gebeine mehr darin. Der dritte, südliche Chor ist als Landgrafenchor bekannt. Hier stehen die Grabmäler der bis zur Reformation in der Elisabethkirche bestatteten Hessischen Landgrafen – sämtlich direkte Nachkommen der Heiligen Elisabeth. Die Gräber selbst befinden sich in den Fundamenten unter dem Chor.

Rathaus und Altstadt

Historisches RathausLängst reicht das Rathaus allein nicht mehr aus als Sitz der Stadtverwaltung mit knapp 1.000 Beschäftigten. Doch das historische Rathaus (erbaut 1512 bis 1527) und der Marktplatz sind noch immer Mittelpunkt städtischen Lebens. Wer die Oberstadt – also die auf dem Schlossberg oberhalb der Lahn gelegene Altstadt – besucht, schaut fast immer auch schnell einmal am Markt Sophie von Brabantorbei. Sei es zum Einkaufen an den Markttagen Mittwoch und Samstag oder um an beliebigen Wochentagen zur vollen Stunde den Gockel oben auf der Rathausuhr zu beobachten. Den Renaissance-Turm mit dem Uhrgiebel hat 1581 der Baumeister Eberhard Baldewein an das gotische Rathaus angebaut, das den Marburgern bis dahin zu schlicht erschien. Nachdem 1510 die Planungen des Rathausbaus begonnen hatten, wurde am 21. Oktober 1510 der Bauvertrag zwischen der Stadt Marburg und dem Werkmeister Klaus von Wetzlar geschlossen, der die MarktbrunnenBauarbeiten leiten sollte. Neben den städtischen Baumeistern wurden noch weitere vier Rathausbaumeister hinzugewonnen. Außerdem gab es noch einen Oberaufseher aus dem Stadtrat, der alle zwei Jahre neu gewählt wurde. Der Bau wurde hauptsächlich durch Geldanleihen finanziert. Am Marktplatz wurden mehrere Häuser abgerissen, um Platz für den Bau zu schaffen. Der Bau besteht hauptsächlich aus Sandstein. Der Rohbau entstand in den Jahren 1512 bis 1516. Klaus von Wetzlar war bis 1512 der Baumeister des Marburger Rathauses, bis diese Aufgabe ab 1513 Druckerei am ObermarktHans aus Lich übernahm, der vermutlich sein Sohn war. Beide erhielten in ihrer Tätigkeit als Baumeister 1/2 Gulden pro Tag als Lohn. Der übliche Lohn der anderen Arbeitskräfte belief sich zwischen 20 und 45 Gulden für ein halbes Jahr. Erst 1524 begannen unter Hans aus Lich die Baumaßnahmen im Inneren. Im selben Jahr wurde auch die Fassade vollendet. Während die Front weiß und die Ecksteine schwarz gestrichen wurden, hatten die anderen drei Seiten lediglich einen einfachen Kalkbewurf. Das Portal des Treppenturms wurde bunt und mit Gold und Silber verziert.

Mittelalterliche Synagoge am Obermarkt

Schloßsteig, bis 1933 JudengasseMittelalterlich sieht er nicht aus, der Glaskubus am Ende des Obermarktes neben dem Haus Markt 23. Aber er ist ein Stück gläserne Geschichte, schützt er doch die bis heute erhaltenen baulichen Reste der mittelalterlichen Marburger Synagoge. Unter dem Glaskubus gut zu sehen ist die Ruine des jüngsten von drei Bauwerken. Es handelt sich um einen Bau aus dem frühen 14. Jahrhundert mit den Grundmaßen von etwa sieben mal zehn Metern. Teile des Zugangsbereiches und die Ansätze eines Kreuzrippengewölbes sind noch deutlich zu erkennen. Aus schriftlichen Quellen ist bekannt, dass dieses als Judenschule bezeichnete Gebäude 1452 abgebrochen Mittelalterliche Synagogewurde. Ein Teil der darunter liegenden ältesten Fundamente stammt aus dem 12. Jahrhundert. Allerdings ist nicht sicher, ob es sich schon damals um eine Synagoge gehandelt hat. Das auf diesen Fundamenten errichtete Gebäude aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde dagegen sicher als Synagoge genutzt. Die archäologische Ausgrabung und Untersuchung der mittelalterlichen Synagoge erfolgte zwischen 1993 und 1998. Die schützende Überdeckung der Grabungsstätte bei gleichzeitiger Sichtbarmachung der Grabungsergebnisse durch den Glaskubus war im Jahr 2001 abgeschlossen.

Lutherische Pfarrkirche St. Marien

Lutherische Pfarrkirche St. Marien (Ritterstraße)Die gotische Lutherische Kirche ist nicht nur die älteste Stadtpfarrkirche Marburgs, mit ihrem weithin sichtbaren schiefen Turm ist sie auch ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Sie ist nach der Elisabethkirche das zweitgrößte Gotteshaus in Marburg und wurde über einem Vorgängerbau errichtet. Das ursprünglich romanische, im 13./14. Jahrhundert zu einer gotischen Hallenkirche umgebaute Gotteshaus besteht aus einem Chor und einem dreischiffigen Hallenlanghaus. Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Turm ist nur von einem aus Holz konstruierten Turmhelm gekrönt. Sonneneinstrahlung und Witterungseinflüsse bewirkten, dass sich das Material von daher verbogen hat und Turm sein schiefes Aussehen verleiht. Im Inneren wird das vierteilige Kreuzrippengewölbe von Strebepfeilern gehalten, zwischen denen die hohen Fenster angeordnet sind. Neben dem aus Stein gefertigten romanischen Kerner (Beinhaus) der Lutherischen Pfarrkirche St. MarienTaufbecken, das aus dem Vorgängerbau stammt, ist hier das Grabmal der Landgräfin Hedwig von Württemberg und ihres Gatten Ludwig von Hessen zu sehen. Die Kirche verfügt zudem über eine hervorragende Akustik, weshalb sie die häufig stattfindenden Konzerte zu einem Klangerlebnis werden lässt. Das mittelalterliche Ensemble von Kirche, Pfarrhof und Kerner – Beinhaus – hat sich bis heute erhalten. Westlich neben der Pfarrkirche steht der etwa um 1370 erbaute Pfarrhof und östlich davon ist das um 1320 errichtete Beinhaus gelegen. Der Kerner diente ehemals zur Aufbewahrung der Gebeine und der große Platz war früher Begräbnisstätte und Versammlungsort der Bürgerschaft.

Marburger Religionsgespräch

Zwingli-TreppeDas Marburger Religionsgespräch war ein Teil der theologischen Auseinandersetzung zwischen dem lutherischen und reformierten Zweig der Reformation und fand vom 1. bis 4. Oktober 1529 auf Einladung des Landgrafen Philipp des Großmütigen auf dem Marburger Schloss statt. Da auf dem Reichstag zu Speyer 1529 erneut das Wormser Edikt bestätigt worden war, versuchte Treppe zum LandgrafenschlossPhilipp von Hessen die Sache der Reformation zu stärken, indem er beide Zweige der Reformation für eine gemeinsame Linie gegen die Altgläubigen und die Habsburger gewinnen wollte. Das aber war nur möglich, wenn sie sich in grundlegenden theologischen Fragen einigten. Insbesondere um die Bedeutung des Abendmahls gab es seit spätestens 1527 einen heftigen Streit zwischen Martin Luther und Ulrich Zwingli, der von Seiten Luthers als kirchentrennend angesehen wurde. Zwar waren beide Seiten gegen die Lehre von der Transsubstantiation und für die Beibehaltung des Laienkelches. Aber für Zwingli war das Abendmahl eine Bekenntnishandlung der Gemeinde, für Luther war Christus beim Abendmahl real gegenwärtig. Der Legende nach soll Luther, als das Scheitern der Gespräche fest stand, mit einem Messer das Tischtuch zwischen sich und Zwingli zerschnitten haben.

Landgrafenschloss

Landgrafenschloss MarburgDas Landgrafenschloss thront hoch über der Marburger Altstadt und ist eine der Hauptattraktionen unter den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die ältesten von außen sichtbaren Gebäudeteile stammen aus dem 13. Jahrhundert. Nach dem Aussterben der Landgrafen von Thüringen 1247 sollte die Landgrafschaft zunächst an die Wettiner fallen, doch machte Sophie von Brabant, eine Tochter der Hl. Elisabeth von Thüringen, ab 1248 ebenfalls Erbansprüche für ihren Sohn Heinrich geltend. Als Ergebnis des hessisch-thüringischen Erbfolgestreits Landgrafenschloss Marburg1247–63 wurde der hessische Teil der Landgrafschaft abgespalten und so eine neue Landgrafschaft Hessen geschaffen, deren erster Herrscher Heinrich I. war. 1292 wurde er von König Adolf von Nassau in den erblichen Reichsfürstenstand erhoben und die Landgrafschaft Hessen damit offiziell reichsrechtlich anerkannt. Die Bemühungen um Anerkennung und letztendlich der Erfolg spiegeln sich entsprechend auch in umfangreichen Baumaßnahmen wider, die den Anspruch des Landgrafen auch nach außen Blick vom Landgrafenschlossdokumentieren sollten. Heinrichs Sohn Otto (1308–1328) verlegte schon 1308 den landgräflichen Sitz nach Kassel und Marburg verlor entsprechend an Bedeutung. Zwischen 1458 und 1500 residierte hier noch einmal eine Nebenlinie unter Heinrich III. und Wilhelm III. Eine stärkere Rolle in der politischen Entwicklung spielte das Marburger Schloss jedoch erst wieder unter Landgraf Philipp dem Großmütigen, dem eine Einigung Hessens gelang, der 1526 hier die Reformation einführte und die erste protestantische Universität gründete. Nach Philipps Tod 1567 wurde Marburg unter Ludwig IV. von Hessen-Marburg zum dritten Mal Residenz einer der vier Teilgrafschaften.

Wegpunkte Stadtrundgang Marburg

Wegpunkte Stadtrundgang Marburg

WP1   N50°49.2124 E008°46.6724,   Bahnhof
WP2   N50°48.9475 E008°46.1530,   Elisabethkirche
WP3   N50°48.8867 E008°46.2346,   Kornhaus
WP4   N50°48.8367 E008°46.1675,   Ruine Franziskuskapelle
WP5   N50°48.5340 E008°46.2375,   Altes Rathaus
WP6   N50°48.6025 E008°46.2527,   Marktbrunnen
WP7   N50°48.6177 E008°46.1980,   Mittelalterliche Synagoge
WP8   N50°48.5442 E008°46.1121,   Marienkirche
WP9   N50°48.5909 E008°46.0607,   Landgrafenschloss

Innenstadtplan Marburg
Busparkplätze und Ausstiegesstellen
Route Stadtrundgang Marburg (gpx)
Fotoalbum Stadtrundgang Marburg (Flickr)

 

 

Über Dieter

Nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit seit dem 1.10.2012 im Ruhestand. Meine freie Zeit verbringe ich mit Fotografieren, ehrenamtlicher Web-Administration, Desktop Publishing, Digitalisierung von Fonts, Digitalisierung von Hörspielen usw. Daneben interessiere ich mich für Theater und für Kunstgeschichte sowie Geschichte allgemein.
Dieser Beitrag wurde unter Hessen abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *