Jung-Stilling-Rundweg in Grund

Alter Leiterwagen am Ortsanfang von Grund

Tourbescheibung

Dorfgemeinschaftshaus „Alte Kapellenschule“ in GrundStart und Ziel ist das Dorfgemeinschaftshaus „Alte Kapellenschule“ im Hilchenbacher Ortsteil Grund. Der gebührenfreie Parkplatz befindet sich direkt neben dem Dorfgemeinschaftshaus (Navi-Eingabe N50° 58′ 13.44″ E8° 8′ 5.94″). Von hier geht es durch den idyllischen Ortskern an Jung-Stillings Geburtshaus vorbei rechts den Berg hinauf zum Weidekampen. Einige Meter vor dem Hochsitz scharf nach links abbiegen und der Markierung „J im Kreis“ weiter bergan folgen bis zur Kronprinzeneiche. Dort die B508 überqueren und Info-Tafel am Dorfgemeinschaftshausweiter berghoch bis zur Ginsberger Heide. Hier links talabwärts an der Köhlerhütte und an der Ginsburg vorbei bis zum Zollposten. Ab hier bis unterhalb des Krombergs teilt sich der Jung-Stilling-Rundweg die Trasse mit dem Hilchenbacher Höhenweg. Später dann die Bahngleise einmal überqueren und am Kromberg und der Hubertusquelle vorbei durch den Wald hinunter zum Wassertretbecken im Insbachtal. Dort links abbiegen und später dem Wanderweg oberhalb der Landstraße weiter folgen zurück zum Dorfgemeinschaftshaus. Der Jung-Stilling-Rundweg ist übrigens ziemlich gut markiert, so dass ein Verlaufen nahezu auszuschließen ist.

Das Golddorf Grund

Anwesen an der Kreisstraße in GrundDurch das im Naturpark Rothaargebirge gelegene und zum Siegerland gehörende Dorf Grund fließt der Insbach als südöstlicher Ferndorfbach-Zufluss. Oberhalb des Ortes verläuft im Osten die Bundesstraße 508, zu der die durch das Dorf verlaufende Kreisstraße 31 führt.  Östlich der B 508 liegt die Burgruine Ginsburg mit dem dort vorbei führenden Rothaarsteig und der etwas östlich der Burgruine im Schloßberg-Tunnel (270 m lang) verlaufenden Bahnstrecke Kreuztal–Cölbe mit nahem Anschluss am Bahnhof des benachbarten Dorfs Vormwald. Grund wurde im Jahr 1344 erstmals urkundlich erwähnt. Bis zur kommunalen Neugliederung 1969 gehörte der Ort dem Amt Keppel an.

Johann Heinrich Jung, genannt Jung-Stilling

Gedenktafel an Jung-Stillings GeburtshausAuf den Spuren Jung-Stillings geht es auf dem neuen Wanderweg einmal rund um Grund. Der Rundweg trägt nicht nur seinen Namen, sondern verbindet wichtige Stationen aus Jung-Stillings Kindheit. Zudem hält er wunderschöne Aussichten für die Wanderfreunde bereit. Johann Heinrich Jung, genannt Jung-Stilling, wirkte als Augenarzt, religiöser Volksschriftsteller und Nationalökonom. Herausragend für die damalige Zeit war seine augenärztliche Tätigkeit. Insgesamt führte er  etwa 3000 Operationen durch. Doch während seiner Zeit in Hilchenbach war er neben vielen anderen Berufen auch als Dorfschullehrer in Lützel tätig. Sein Weg dorthin führte ihn durch die Wälder, vorbei an der Ginsburg in den Nachbarort. Grund genug, ihm einen eigenen Wanderweg zu widmen, der nicht nur die Grunder Sehenswürdigkeiten, sondern über einen Abstecher auch die beiden an der Ginsberger Heide gelegenen Dörfer verbindet.

Jung-Stilling-Haus Stölersch

Jung-Stillings Geburtshaus in GrundDer Name Stähler („Stöler“) kann schon sehr früh in Grund nachgewiesen werden. Am 26. September 1620 heiratete Ehla Stähler den aus Obersetzen stammenden Eckhard Jung, deren Enkel Johann Ebert Jung (1680-1751), verheiratet mit Margaretha Helmes (1686-1765) aus Helberhausen, das Wohnhaus nach einem Inschriftenstein aus dem Jahr 1730 erbaute. Der berühmte Enkel wurde hier am 12. September 1740 geboren. Er war Schneider, Lehrer, Augenarzt, Professor für Staatswissenschaften und seit 1803 Berater sowie seit 1808 Geheimer Hofrat des badischen Großherzogs. Während seines Medizinstudiums in Straßburg war er mit Jung-Stilling wird auf seinem Weg zur Lützel wohl diesen Pfad benutzt habenJohann Wolfgang von Goethe befreundet und erlangte selbst Ruhm als pietistischer Schriftsteller. Am 2. April 1817 verstarb er elf Tage nach seiner dritten Gattin Elisabeth Coing in Karlsruhe. Am 3. August 1928 brannte das Fachwerkhaus ab und das Richtfest des neu aufgebauten Hauses erfolgte am 19. Oktober 1928. Die Einweihung konnte am 20. Oktober 1929 vorgenommen werden. Links neben dem Treppeneingang befindet sich die Jung-Stilling-Stube, die vom Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V. eingerichtet wurde und unterhalten wird. Sie kann nach Terminvereinbarung besichtigt werden.

Kronprinzeneiche

Die Kronprinzeneiche oberhalb von GrundDer Standort Kronprinzeneiche ist heute für die Menschen des Siegerlandes ein Begriff und fester Bestandteil der Land- und Wanderkarten. Gepflanzt wurde diese Eiche eigenhändig, wie es der Chronist festhielt, am 16. Oktober 1833 vom damaligen preußischen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm IV. Der Prinz hatte dem Berleburger Schloss einen Besuch abgestattet und war mit seinem großen Gefolge auf dem Wege von dort zum damaligen berühmten Müsener Stahlberg, der bekanntesten Grube des Siegerlandes. Der Weg führte ihn über Erndtebrück, über die heutige B 62, mit jetzigem Namen „Kronprinzenstraße“ nach Lützel. Reste der alten Handelsstraße unterhalb der Ginsberger HeideAuf der Lützeler Höhe, wo er nach Hilchenbach abbog, pflanzte er unter großer Beteiligung der führenden Persönlichkeiten des hiesigen Raumes einen jungen Eichenbaum. Die Eiche verkörperte einst das Sinnbild von Kraft und Beständigkeit. Danach ging der Trott weiter über Hilchenbach, Allenbach, Dahlbruch nach Müsen, wo die Grube Stahlberg befahren wurde, die zu diesem Anlass mit Hunderten von zusätzlichen Lichtern ausgeleuchtet war. Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist mit dem befestigten Straßenbau im größeren Umfang im Siegerländer Raum begonnen worden, wie u. a. mit der damals neu errichteten Landstraße durch das Ferndorftal, auf Der ehemalige Bahnhof Zollposten in Vormwaldder Friedrich Wilhelm reiste. Übrigens brachte diese Straße einen gewaltigen Verkehrsfortschritt für das Ferndorftal. Da der Bau solcher Straßen sehr kostspielig war, musste jedes Fuhrwerk, das sie benutzte, Wegegeld bezahlen. Zu diesem Zweck wurden daher  Wegegelderhebungsstellen, wie man sie damals nannte, mit Schlagbäumen errichtet. Die Gebühr betrug für jedes passierende Stück Vieh zwei Pfennig. Die Einnahmen wurden für die Unterhaltung der Straßen verwendet. Diese Erhebungsstellen blieben bis in die 1870er Jahren, zum Teil auch noch etwas länger, bestehen.

Der Giller

Ranger mit Grundschülern auf Exkursion am RothaarsteigDer Giller (653,5 m ü. NN) ist ein Berg, der zwar entfernungsmäßig näher am Ortsteil Lützel liegt, vermessungstechnisch jedoch zu Grund gehört. Auf dem Berg steht der Gillerturm, von dem sich Aussicht unter anderem über das Siegerland, Sauerland und Wittgensteiner Land bietet. Nordwestlich vom Berg liegt die unter Naturschutz stehende Ginsberger Heide mit seltener Flora und Fauna. An deren Westrand steht das Gillerheim, eine Art Jugendherberge, in der Schüler mehr über die Pflanzen und Tiere des Rothaargebirges lernen können. Angegliedert ist ein Die Köhlerhütte unterhalb der Ginsberger HeideSportplatz, auf dem jeweils einmal im Jahr seit 1907 das Gillerbergturnfest als größtes Bergturnfest im deutschsprachigen Raum und seit 1991 das Festival KulturPur mit Künstlern unter anderem aus den Bereichen Musik und Comedy stattfindet. Obwohl der Jung-Stilling-Rundweg die Ginsberger Heide nur streift, empfiehlt sich ggf. ein kleiner Abstecher zum nahen Hotel-Restaurant „Ginsberger Heide“. Alternativ bietet sich die Köhlerhütte mit ihrer Möglichkeit selbst zu grillen an. Zwischen Ginsberger Heide und Ginsburg verlaufen der Rothaarsteig und der Jung-Stilling-Rundweg übrigens auf der selben Trasse.

Das Insbachtal

Das Insbachtal bei GrundIm idyllischen Insbachtal bei Grund  lädt ein Wassertretbecken zu fleißigem Storchengang ein. Frisches Quellwasser und saftiger Wiesengrund verwöhnen auch hier Füße, Geist und Seele. Verbunden mit der Wanderung über Berg und Tal auf dem Jung-Stilling-Rundweg wird das Kneippen hier fast am Ende der Tour  zum doppelten Vergnügen!

Anleitung zum Wassertreten nach Pfarrer Sebastian Kneipp

  • Wassertretbecken im InsbachtalIndikation: Die überaus heilsamen Kälte-Wärmereizungen erfrischen die Füße, regen den Kreislauf an, kräftigen die Venen bei Venenschwäche und Krampfadernbeschwerden und wirken durchblutungsfördernd.
  • Achtung: Nie gleich nach dem Essen oder bei kalten Füßen! Und sofort aufhören, wenn sich Hautkribbeln oder schmerzhaftes Kältegefühl einstellt.
  • Anwendung: Im Storchengang ca. ½ bis 2 Minuten Fuß vor Fuß durch das Becken waten, dabei abwechselnd die Beine einige Sekunden bis über die Wasseroberfläche anheben, nach dem Wassertreten Wasser nur abstreifen und nicht abtrocknen. Strümpfe und Schuhe anziehen und laufen, bis die Füße wieder warm sind.

Wegpunkte Jung-Stilling-Rundweg

Jung-Stilling-Rundweg - Route

WP1   N50°58.2242 E008°08.0985,  Dorfgemeinschaftshaus Kapellenschule
WP2   N50°58.0906 E008°07.4465,  Weidekampen, scharf nach links abbiegen
WP3   N50°58.0213 E008°08.7584,  Kronprinzeneiche
WP4   N50°58.4513 E008°09.0698,  Köhlerhütte
WP5   N50°58.8410 E008°08.6036,  Bahnhof Vormwald (Zollposten)
WP6   N50°58.3529 E008°07.1233,  Wassertretbecken Insbachtal

Route Jung-Stilling-Rundweg (gpx)
Fotos Jung-Stilling-Rundweg

Über Dieter

Nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit seit dem 1.10.2012 im Ruhestand. Meine freie Zeit verbringe ich mit Fotografieren, ehrenamtlicher Web-Administration, Desktop Publishing, Digitalisierung von Fonts, Digitalisierung von Hörspielen usw. Daneben interessiere ich mich für Theater und für Kunstgeschichte sowie Geschichte allgemein.
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