Feuer- und Flamme-Weg Bergneustadt

Hotel Phönix am Feuer- und Flamme-Weg

Mit der Kamera unterwegs auf dem Bergischen Streifzug 11

Anfahrt mit dem Pkw zum Parkplatz Altstadtkirche in 51702 Bergneustadt (Navi-Eingabe N51°1’19″ E7°39’1″).

Tourbeschreibung

Evangelische Altstadtkirche BergneustadtStart und Ziel des 12 Kilometer langen Rundwanderwegs über Wald- und Wirtschaftswege und verkehrsarme Straßen ist das Heimatmuseum, Wallstraße 1, 51702 Bergneustadt. Wer die malerische Altstadt von Bergneustadt durchstreift, wird kaum vermuten, dass die Stadt mehrfach verheerenden Feuersbrünsten zum Opfer fiel. Mit Feuereifer haben die Bergneustädter ihre Häuser immer wieder aufgebaut. Nicht zufällig ist die Stadt heute ein bedeutendes Zentrum der Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen, und das nicht nur wegen des 1956 hier gegründeten Feuerwehrerholungsheimes. Dass die Menschen an der Grenze des Oberbergischen zum Sauerland nicht nur den Brandschutz schon früh mit Feuereifer angegangen sind, zeigt dieser Bergische Streifzug. Losemundbrunnen in der Berneustädter AltstadtAus der historischen Altstadt führt er nach Wiedenest, wo Christen im Mittelalter eine der heute weithin beachteten Bonten Kerken errichteten. Die imposante Gedenkstätte eines glühenden Friedensmahners liegt ebenso am Wegesrand wie ein Aussichtsturm, der bis heute bei Waldbrandgefahr der Feuerwehr als Ausguck dient, und ein Wasserhochbehälter, ohne den selbst die modernsten Brandbekämpfer wenig ausrichten könnten. In die Geschichte der Feuerwehr, die bis zu den alten Römern zurückreicht, führt dieser Streifzug ebenso wie zum heutigen Tagungshotel Phönix im Gebäude des früheren Feuerwehrerholungsheims. Eine einzigartige Sammlung von Feuerwehrhelmen aus aller Welt und tiefe Einblicke in die brenzlige Bergneustädter Stadtgeschichte warten schließlich am Ende der Tour im Bergneustädter Heimatmuseum.

Bergneustadt

Heimatmuseum BergneustadtBergneustadt liegt am Rande des oberbergischen Kreises und grenzt im Osten an die Stadt Drolshagen des Kreises Olpe. Nördlich und westlich grenzt das Stadtgebiet von Gummersbach und südlich das der Gemeinde  Reichshof an Bergneustadt. 1301 wurde der Ort das erste Mal urkundlich erwähnt. Es sollte ein märkischer Vorposten  gegen den Kölner Erzbischof sein. Dazu wurden der neuen Veste bald schon die gleichen Rechte wie Lüdenscheid zugestanden. Am 13. Mai 1301, dem Servatius-Tag, begann der Droste Rutger von Altena im Auftrage des Grafen Eberhard I. von der Mark mit dem Bau der Blick über BergneustadtStadtburg Nyestadt im märkischen Sauerland im Bereich der Gemarkung Wiedenau, die Teil des Kirchspiels Wiedenest war. Bergneustadt (bis 1884 „Neuststadt“) übernahm die Funktion der Grenzwacht gegenüber den Grafschaften Berg und Sayn-Homburg wie auch gegenüber dem kur-kölnischen Sauerland. Diese unvermittelte Gründung des Burgfleckens ist nur  aus dem Kräftespiel der Territorialgewalten heraus zu verstehen. Aus mancherlei Gründen wurde diese kleine Stadt in den ersten Jahrhunderten mit landesherrlichen Privilegien und städtischen Funktionen geradezu  überschüttet, zum Beispiel Stadtgerichtsbarkeit, Fachwerkensemble in der KirchstraßeSitz des Vogtei- und Femegerichts, Mauer- und Marktrecht. Die den Bürgern gewährten Freiheiten waren beispielhaft. Die militärischen, administrativen und  richterlichen Aufgaben sowie das blühende Wirtschaftsleben der Stadt durch Erzförderung und Verarbeitung zu Fabrikaten mit teilweise eigenen Warenzeichen, Geschützen und Hakenbüchsen, Holzkohleproduktion sowie weitverzweigte Handelsbeziehungen    bewirkten eine hervorragende Stellung und Ausstrahlungskraft weit über das Aggerland hinaus. Ein Vorgängerbau der Evangelischen Altstadtkirche, die Burgkapelle, stand wohl schon im 14. Jahrhundert. Die Johannes-Kapelle befand sich bei der Burg. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie Altstadtkirche Bergneustadt1424. Sie wurde 1756 von der Mutterkirche Wiedenest abgepfarrt. Der verputzte tonnengewölbte Bruchsteinsaal wurde zum Ende des 17. Jahrhunderts errichtet. Der eingezogene Chor schließt dreiseitig. Dem vorgesetzten Westturm von 1749 wurde eine laternenbekrönte Zwiebelhaube aufgesetzt. Reste des gotischen Kapellenbaus sind möglicherweise im Mauerwerk des Chores erhalten. Das Außenmauerwerk wurde 1983 umfassend renoviert. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurden Kanzel, Altar und Orgel in bergischem Aufbau zusammengefasst. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1779 und wurde von J. C. Kleiner gebaut.

Fachwerkensemble zwischen Hotel Phönix und der AltstadtAus der Erbmasse des aufzuteilenden Herzogtums Jülich mit Kleve, Berg, Mark und Ravensberg bedienten sich im Jahre 1609, als Johann Wilhelm I., der letzte Sproß seines Hauses kinderlos und geistig umnachtet starb, die  mächtigsten Nachbarn: Der Kurfürst von Brandenburg und der Pfalzgraf bei Rhein mit Ansprüchen aus zurückliegenden Verwandtschaften. So kam die alte Grafschaft Mark an Brandenburg, ein Gebiet, das mit dem Amt  Neustadt weit ins heutige Oberbergische hineinragt, bzw. einen wesentlichen Teil desselben ausmacht. Immerhin lag auf diesem Territorium seit 1301 auch eine Stadt, gegründet von Graf Eberhard II. von der Mark,  ein Vor- und Wachposten gegen seine Verwandten, die mächtigen Grafen von Berg: die Historische Gaststätte JägerhofNeyestadt – heute Bergneustadt. Aus der benachbarten Herrschaft Gimborn stammte Graf Adam von Schwarzenberg, ein eifriger  Parteigänger der brandenburgischen Sache. 1630 verlieh ihm Georg Wilhelm ob seiner Verdienste um den verstorbenen Kurfürsten Sigismund zu den früher überlassenen Kirchspielen Gummersbach und Müllenbach die Stadt  Neustadt mit den Kirchspielen Wiedenest, Ründeroth und Lieberhausen, um sich des Amtes Neustadt und der Herrschaft Gimborn als einer freien Reichsherrschaft zu bedienen und dort als Landesherr zu walten und zu  regieren. So war mitten im 30-jährigen Krieg ein neuer Kleinstaat entstanden. Der gewandte und mächtige erste Minister seines Herrn in Berlin Hauptstraße in der historischen Altstadthatte sich aus dessen Besitz eine eigene Herrschaft herausgelöst. Sie  blieb bis 1782 bei seinen Nachfahren, die sie nach ca. 150-jähriger Herrschaft verkauften. Von 1610 bis 1818 erlitt Bergneustadt bedingt durch die Machtverschiebungen erhebliche Rechtsverluste. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ seine Spuren, die Pest in den Jahren 1634/36 raffte die Einwohner hinweg,  verheerende Großbrände führten 1717 und 1742 zu riesigen Verlusten und um 1800 kam es zum Zusammenbruch des Eisengewerbes. Armut und Elend beherrschten die Stadt und seine Einwohner. Nur langsam erholte man sich von den Rückschlägen und gelangte zu neuen Kräften. Der Bau von Fernstraßen um 1830 und die 1896 bis 1903 errichtete Eisenbahnlinie Köln–Olpe verhalfen der Stadt zu neuem Leben und befreiten sie  aus ihrer provinziellen Abgeschiedenheit.

Wiedenest

Die „heilige Quelle“ oberhalb der Kreuzkirche in WiedenestWiedenest ist einer von 22 Ortsteilen der Stadt Bergneustadt und liegt in Luftlinie rund 3,2 km nordöstlich von Bergneustadt an der Bundesstraße 55. Erst in der Zeit von 1823 bis 1834 kam es zum Ausbau einer Chaussee von Cöln nach Olpe, die zugleich die erste im Oberbergischen war, die nicht über die Bergkämme, sondern durch die Täler verlief und somit die vielen kleinen Ortschaften an Agger und Dörspe miteinander verband. Wiedenest wurde 1154 erstmals urkundlich erwähnt. Die Kreuzkirche wurde außerhalb der eigentlichen Wiedenester Tallandschaft im Kreuzkirche WiedenestSüdwesten als Mittelpunktkirche der umliegenden Streusiedlungen im 11. Jahrhundert erbaut. Sie ist auch heute nicht in die Ortschaft einbezogen, sondern bildet zusammen mit den benachbarten Küsterhaus, Pfarrhaus und Gemeindehaus sowie der „heiligen Quelle“ und dem Friedhof einen eigenen Siedlungsteil. Ihre Widmung und ihr Name hängen mit einer Überlieferung zusammen, nach der ein Kreuzfahrer bei seiner Rückkehr aus Palästina einen Splitter vom Kreuz Christi in diese Kirche brachte. Die Kreuzkirche zählt zu den sogenannten Bonten Kerken im Bonte Kerke WiedenestBergischen Land und liegt vermutlich an einem alten heidnischen Kultplatz. Bei umfassenden Renovierungsmaßnahmen im 20. Jahrhundert wurden die mittelalterlichen Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wiederentdeckt. Man hatte sie im Zuge der Reformation übertüncht. Die Wandmalereien sind nur zum Teil erhalten, gelten aber dennoch als einer der umfangreichsten Bestände spätgotischer Kirchenmalerei im Rheinland. Der Wandmalereizyklus in Chor und Querhaus, von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, Romanischer Taufstein aus Andesit aus der Zeit um 1200in Fresco-Kalksecco-Mischtechnik ist fragmentarisch erhalten. In den Bildstreifen des Chores sind noch die Anbetung der Könige, sowie Standfiguren von Heiligen und Aposteln zu erkennen. Die in ein Rahmengerüst eingespannten Einzelszenen der Bilderfolgen in den Querhausarmen wirken wie große Altartafeln. Die Malereien im südlichen Querhausarm stellen die Kreuzlegende nach dem Bericht der Legenda aurea dar. Im nördlichen Querhaus ist die Passion Christi vom Einzug in Jerusalem bis zur Ausgießung des Heiligen Geistes zu sehen. Auf dem Wandgemälde im Vierungsgewölbe wird das Jüngste Gericht vor rosettemgemustertem Hintergrund gezeigt; die Rankenbäumchen gehören zu einer älteren Malschicht. Ältester Einrichtungsgegenstand ist ein romanischer Taufstein aus Andesit aus der Zeit um 1200.

Die alte Bahntrasse an der Heiligen Quelle in WiedenestAm 20. Mai 1898 wurde der Bau einer Eisenbahn von Bergneustadt nach Olpe per Gesetz genehmigt. Von Olpe aus betrachtet, wurden Bahnstationen in Eichen, Drolshagen, und Hützemert gebaut. Da es ein zusammenhängendes Wiedenest noch nicht gab, erhielt die Station den Namen „Bruchhausen“. Die Bahnhofsgebäude von Wiedenest, Hützemert und Eichen waren baulich identisch. Drolshagen erhielt ein etwas größeres Gebäude, allerdings im gleichen Baustil. Im Spätsommer des Jahres 1903 waren die Tage der guten alten Postkutsche gezählt. Seit 1896 bediente sie ohnehin nur noch die Reststrecke zwischen Bergneustadt und Olpe. Vielfach war die so genannte Kariolpost, ein leichter einspänniger Wagen, im Einsatz. Mit Inbetriebnahme Forum Wiedenestdes Bahnhofs Wiedenest stand den Bewohnern des oberen Dörspetales zum ersten Mal auch ein öffentlicher Telegraph zur Verfügung. Es war ein Morseapparat mit Lochstreifen, auf dem die Zugmeldungen und dienstlichen Mitteilungen der Eisenbahn erfolgten. Gegen eine Gebühr konnten aber auch private Telegramme aufgegeben oder empfangen werden. Der Bahnbetrieb begann mit der feierlichen Eröffnung der Eisenbahnstrecke am 31. August 1903, indem fünf von den bislang in Bergneustadt endenden Personenzügen bis Olpe verlängert wurden. Die Fahrzeit von Wiedenest nach Köln betrug zu dieser Zeit ca. 3 1/2 Stunden. Außerdem verkehrte ein Güterzugpaar. Güterwagen mit eiligen Gütern wie Lebensmittel oder Blick vom Feuer- und Famme-Weg nach Osten über Wiedenestlebende Tiere wurden meist an die Personenzüge angehängt. Etwa die Hälfte der Züge führten auch Bahnpostwagen zur Beförderung sämtlicher Postsendungen. Die Bahnstrecke ist im Abschnitt Dieringhausen – Olpe heute nicht mehr befahrbar und verschwindet immer weiter. Obwohl nur ein kleines Örtchen im malerischen Dörspetal ist Wiedenest einzelnen Menschen aus allen Herren Länder ein Begriff. Das liegt daran, dass seit 1919 das Forum Wiedenest – damals noch als Allianz-Bibelschule – Missionare ausbildet, die früher vor allem in Russland, heute stärker in Tansania und Pakistan ihren Dienst versehen.

Aussichtsturm auf dem Knollen

Aussichtsturm auf dem KnollenDer Aussichtsturm befindet sich auf dem Berg Knollen östlich vom Hackenberg in 446,8 m über NN. Die Turmhöhe beträgt 26,55 m bis zur Aussichtsplattform, Gesamthöhe: 30,38 m. Bereits in den 50er Jahren hatte sich der Heimatverein „Feste Neustadt“ mit dem Plan zum Bau eines Aussichtsturmes befasst und den Knollen als den günstigsten Standort festgestellt. Die ideale Einfügung der Aussichtsturmanlage in das Gesamtbild des mit Hochwald bestandenen Bergrückens und die günstige Lage zwischen Aggertalsperre, Siedlungsgebiet Hackenberg Blick von Hackenberg zum Knollenund dem Stadtkern veranlasste den Heimatverein, das Gelände zu kaufen und der Stadt Bergneustadt für den Bau des Turmes kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das Aufstellen des Turmes erfolgte am 15. und 16. Februar 1982. Am 12. März 1982 wurde der Aussichtsturm mit einem großen Turmfest offiziell seiner Bestimmung übergeben. Seitdem wurde der Turm von vielen tausend Menschen bestiegen, die den herrlichen Rundblick genossen haben. Bei klarer Witterung erschließt er Aussichtsmöglichkeiten bis hin zur Rheinebene im Westen, zum Ebbegebirge im Nord- Osten und zum Westerwald im Süden.

Wegpunkte Feuer- und Flamme-Weg

Route Feuer- und Flamme-Weg

WP1   N51°01.2789 E007°38.9562, 247 m,    Station A
WP2   N51°01.2783 E007°38.9610, 247 m,    Station B
WP3   N51°01.3002 E007°40.8658, 246 m,    Station C
WP4   N51°02.0734 E007°40.7726, 355 m,    Station D
WP5   N51°02.5177 E007°40.1620, 461 m,    Station E
WP6   N51°02.3731 E007°39.4043, 441 m,    Station F
WP7   N51°01.6881 E007°38.7993, 310 m,    Station G
WP8   N51°01.3040 E007°39.0118, 240 m,    Parkplatz

Etappenroute (gpx)

Fotoalbum (Flickr)

Über Dieter

Nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit seit dem 1.10.2012 im Ruhestand. Meine freie Zeit verbringe ich mit Fotografieren, ehrenamtlicher Web-Administration, Desktop Publishing, Digitalisierung von Fonts, Digitalisierung von Hörspielen usw. Daneben interessiere ich mich für Theater und für Kunstgeschichte sowie Geschichte allgemein.
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