Von Lützeln nach Rabenscheid

Blick auf die Fuchkaute im Westerwald

Mit der Kamera unterwegs auf der Westerwaldvariante

Anreise mit dem Bus zum Etappenbeginn in Lützeln-Ort. Rückreise vom Etappenziel Rabenscheid mit Bus/Bahn

Fahrplanauskunft unter http://www.fahrplanauskunft.de

Tourbeschreibung

Wanderwegweiser auf der FuchskauteVon Lützeln geht es auf dem Rothaarsteig weiter zur Kaolingrube Auf dem Kreuz bei Niederdresselndorf, bevor der Weg mit Liebenscheid die Gemeinde Rennerod und damit den Kern des Hohen Westerwalds erreicht. Liebenscheid ist heute als Austragungsort eines international renommierten Schlittenhunderennens bekannt. Auf dem Weg von Liebenscheid nach Weißenberg erreicht der Rothaarsteig das Naturdenkmal Ketzerstein (612 m) – der sichtbare Rest eines Basaltlavastroms. Direkt am Ketzerstein zeigt sich eine interessante Störung einer Kompassnadel, was auf magnetische Ablenkung hinweist. Vom Ketzerstein aus hat man eine schöne Aussicht auf den Hohen Westerwald. Jetzt sind es noch rund 4 km, bis der Rothaarsteig auf der Fuchskaute (657 m) eintrifft. Der Rothaarsteig führt jetzt von seinem südlichsten Zipfel nach Rabenscheid in das Gebiet der hessischen Gemeinde Breitscheid.

Basaltsteinbruch

Industriedenkmal Klopfmaschine im ehemaligen Basaltsteinbruch LützelnDer Basaltsteinbruch Lützeln wurde im Jahr 1898 angelegt und bereits 1939 schon wieder aufgelassen. Das Steinbruchgelände ist heute zugewachsen und ist nicht begehbar. Der Rothaarsteig führt aber unmittelbar an dem Industriedenkmal Klopfmaschine vorbei. Mit dieser riesigen Steinbrecheranlage  wurde der Basaltstein aus dem Steinbruch zerkleinert und die Steine für den Straßenbau in der Umgebung verwendet. Neben diesem immer noch beeindruckenden Steinbrecher lädt eine Vesperinsel zur verdienten Rast ein.

Kaolin-Tongrube

Aussichtspunkt an der Kaolin-Tongrube Auf dem KreuzIn der Kaolin-Tongrube Auf dem Kreuz links des Rothaarsteigs baut die Firma Theodor Stephan aus Haiger Kaolin im Tagebau ab. Kaolin ist die Bezeichnung für ein Gestein, das  überwiegend aus dem Mineral Kaolinit besteht, einem Gemisch aus Aluminiumoxid und Siliziumdioxid. Der Name Kaolin stammt aus dem Chinesischen („Kao-ling“ = hoher Berg), weil eine erste Gewinnung am Berg Kao-ling erfolgte. Kaolin ist ein sehr weiches Gestein und besitzt eine hellgraue, fast weiße oder leicht gelbliche Farbe. In der Grube hebt sich der helle Kaolin deutlich von seiner Umgebung ab. Wegen seiner bindigen, tonartigen Konsistenz spricht man auch oft von Kaolinton. Kaolin ist ein begehrter Bodenschatz, er dient als Rohstoff zur Porzellanherstellung. Im Volksmund wird daher der Name Porzellanerde verwendet. Der Kaolin der Grube findet in der keramischen Industrie vielfältige Verwendung, u. a. bei der Herstellung von Boden- und Wandfliesen. Die Entstehung des Kaolins reicht bis in die Tertiär-Zeit zurück, als ein sehr feuchtes und zugleich sehr warmes Klima in Mitteleuropa herrschte. Das subtropische Klima führte zu einer intensiven Verwitterung der Panorama vom Aussichtspunkt der Kaolin-Tongrube Auf dem Kreuzoberflächennahen Gesteine. Im Bereich der Tongrube standen überwiegend geschieferte Schluff- und Tonsteine („Schiefer”) an, die bereits im Unterdevon gebildet worden waren. Durch die Verwitterung wurden diese Gesteine bis in eine Tiefe von ca. 20 bis 30 m chemisch und auch physikalisch umgewandelt und es kam zur Bildung von Kaolinit (Kaolinisierung). An der Wende vom Oligozän zum Miozän vor ca. 23 Millionen Jahren brachen gewaltige Vulkane im Zentrum des heutigen Westerwaldes aus. Sie förderten ungeheure Mengen von dünnflüssiger Basaltlava zutage und schleuderten lockeres vulkanisches Material in die Luft, welches sich am Boden zu Tuff verfestigte. Die Tuffe begruben zusammen mit der zu Basalt erstarrten Lava die tertiäre Landoberfläche samt Kaolin unter sich. In der nachfolgenden Quartär-Zeit kam es im Eiszeitalter (Pleistozän) zu einer starken Erosion der Landoberfläche. Insbesondere der weiche Kaolin fiel der Abtragung zum Opfer. Nur dort, wo der harte Basalt die alte tertiäre Landoberfläche schützend bedeckte, blieb der Kaolin erhalten. Hier am Rande der Basaltdecke – wie auch an weiteren begünstigten Orten im Westerwald – ist es vergleichsweise leicht möglich, die vulkanischen Schichten maschinell abzutragen, um den darunter liegenden Kaolin abzubauen.

Liebenscheid

Die evangelische Kirche in LiebenscheidDer kleine Ort Liebenscheid liegt oberhalb des Hickengrunds am nördlichen Rand der Verbandsgemeinde Rennerod und wurde 1341 in einem  Teilungsvertrag zwischen den Söhnen des Grafen Heinrich I. von Nassau-Dillenburg erstmals erwähnt. Heinrich I. von Nassau-Beilstein erhielt neben anderen Besitztümern Liebenscheid. In dieser Zeit wurde auch die Burg Liebenscheid angelegt, die später ausgebaut wurde. Im Jahre 1360 wurden durch Kaiser Karl IV. Liebenscheid zusammen mit dem Nachbardorf Weißenberg die Stadtrechte verliehen, wobei der Kaiser den beiden Orten die gleichen Rechte wie die der Reichsstadt Wetzlar zusagte. 1452 stiftete der Beilsteiner Graf dem Mainzer Dompropst Heinrich eine Kapelle. Im Gefängnis des Schlosses Liebenscheid wurde der Vater von Peter Paul Rubens, Jan Rubens, festgehalten, da er in einer engen Beziehung zu Anna, der Ehefrau des Grafen Wilhelm I. von Oranien-Nassau stand. Das Dorf im hohen Westerwald ist für seine Schlittenhunderennen weit über seine Grenzen hinaus bekannt. Immer am ersten Wochenende im Februar sind an die 100 Schlittenhundeführer mit ihren Tieren am 350 Jahre alte Esche im Liebenscheider Ortsteil WeißenbergStart. Schon im Advent beginnen im Dorf die Vorbereitungen für das nächste Rennen – und natürlich auch für Weihnachen. In der evangelischen Kirche wird in jedem Jahr ein Krippenspiel inszeniert. Erstaunlich nur, dass die Kirchgänger aus Liebenscheid und dem Ortsteil Weißenberg verschiedene Eingänge benutzen. Kaum einer aus Liebenscheid setzt einen Fuß durch den Weißenberger Eingang und umgekehrt. Der damalige Pfarrer hatte vor vielen Jahren bei klirrender Kälte die Weißenberger Tür verschlossen, um die Heizwärme im Gotteshaus besser zu halten. Daraufhin waren Kirchgänger aus Weißenberg wieder nach Hause gegangen. Schließlich war ihr Eingang verschlossen. Nicht nur zwei Kircheneingänge sind einzigartig im 980-Einwohner-Ort Liebenscheid. Hier gibt es ein unterirdisches Magnetfeld, das Kompassnadeln verrückt spielen lässt. Hier begrenzen drei Bundesländer ein Dreiländereck und nicht zuletzt liegt Liebenscheid an dem zweithöchstgelegenen Verkehrsflughafen Deutschlands!

Ketzerstein

Der Ketzerstein unmittelbar am RothaarsteigEs ist wahrlich ein geheimnisvoller Ort. der sogenannte Ketzerstein bei Weißenberg im Hohen Westerwald. Die ziemlich groben Felsblöcke in altarähnlicher Form wollen manche Zeitgenossen als heidnischen Opferaltar deuten. Und was den Ort  aber noch mysteriöser macht: Hier spielt die Kompassnadel völlig verrückt. Das liegt nicht etwa an irgendwelchen heidnischen Göttern,  sondern einzig und allein am hohen magnetischen Eisen-Titan-Erz-Gehalt der Steine, der jede Kompassnadel in die Irre führt. Das Naturdenkmal Ketzerstein liegt auf einer Höhe von 610 Meter südlich der Gemeinde Liebenscheid-Weißenberg am nördlichen Rande des Westerwaldkreises. Der Ketzerstein ist der sichtbare Rest eines einstigen Lavastromes. Deutlich erkennt man noch die ehemalige Säulenform, die durch horizontale Klüfte weiter zergliedert wurde. Hier erstarrte der Basalt zu Blöcken und nicht wie sonst zu Säulen. Der Ketzerstein führt seinen Namen auf die in der Nähe gelegene Wüstung Katzhausen zurück, nach der auch der Ketzerbach benannt ist. Von der Erhebung aus hat man eine schöne Aussicht auf den Hohen Westerwald und zum benachbarten Bergland an Heller und Sieg.

Willingen

Blick vom Rothaarsteig auf Willingen/WesterwaldWie kommt man von Willingen nach Willingen? Diese Frage wird in Willingen/Westerwald ständig gestellt. Denn immer wieder suchen Fremde die Skisprungschanze – aber vergebens. Denn der Wintersportort Willingen/Hochsauerland liegt 140 km entfernt. Im Jahr 1413 erstmals als Wildungen urkundlich erwähnten Ort Willingen/Westerwald gibt es anderes zu sehen als Sprungschanzen. Zum Beispiel die Fuchskaute, mit 657 Metern die höchste Erhebung des Westerwaldes. Das raue Klima und die frühere Weidenutzung haben auf der Basalthochebene Wiesen entstehen lassen, wie sie sonst typisch für die Alpen sind. Besonders wertvoll sind die großen Arnikabestände der Fuchskaute. In Willingen entspringt auch die Nister. Das Hotel zur Fuchskaute und das Heimatstübchen Willingen bieten Wanderern Gelegenheit zur Rast. Früher waren fast alle im Dorf Feierabendbauern. Ein Kuhhirte brachte noch in den 1970er Jahren die Tiere auf die Mittagsweiden, blies dann mit dem Horn vor den Ställen der Willinger. Und die Kühe trotteten heraus. Beides ist lang vorbei. Das Haus des Kuhhirten steht leer.

Fuchskaute

Die Fuchskauten-ScheuneIm Hohen Westerwald, einem Hochplateau des zum Rheinischen Schiefergebirge gehörenden Westerwaldes, erhebt sich die Fuchskaute etwa auf halber Luftlinie zwischen Bad Marienberg im Westen und Breitscheid im Osten in der Gemarkung Willingen. An ihrem Osthang verläuft die Grenze zu Hessen, und jene zu Nordrhein-Westfalen liegt ein paar Kilometer nördlich. Knapp 3 km nordnordöstlich befindet sich das Dreiländereck von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. An ihren Flanken entspringen mehrere Fließgewässer, unter ihnen die Nister. Die Fuchskaute ist als erloschener Vulkan Teil einer Basalthochebene und hat zwei etwa 650 m voneinander entfernte Kuppen, die Nordkuppe (656 m) und die Südkuppe (657 m), Borstgrasrasen auf der Fuchskautewobei sich letztere in zwei rund 175 m auseinander liegende Anhöhen aufteilt, nämlich in die Nordanhöhe (657 m) und die Südanhöhe (656 m). Auf der Fuchskaute haben das raue Klima und eine traditionelle Art der Weidenutzung Wiesen entstehen lassen, wie sie sonst typisch für die Alpen sind. Fast 300 Blütenpflanzen- und Baumarten, 300 Schmetterlings- und fast 50 verschiedene Vogelarten wurden hier gezählt. Seit Sommer 2004 ist der Windpark Waigandshain-Homberg in Sichtweite der Fuchskaute am Netz; der größte Windpark in Rheinland-Pfalz liefert Strom für etwa 12.000 Haushalte.

Dreiländereck

Holzsteg am historischen Grenzstein über den Winterbach am DreiländereckAm Dreiländereck im Hohen Westerwald, etwa 500 Meter abseits des Rothaarsteigs, grenzen die Bundesländer Hessen mit dem Lahn-Dill-Kreis, Nordrhein-Westfalen mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein und Rheinland-Pfalz mit dem Westerwaldkreis aneinander. Der am Anfang des 18. Jahrhunderts gesetzte Grenzstein markierte ursprünglich die Grenze zwischen dem Herzogtum Nassau mit den Buchstaben HN und GWBG (Gemarkung Weißenberg) einerseits und dem Königreich Preußen mit den Buchstaben KP und GODF (Gemarkung Oberdresselndorf) andererseits. Da das souveräne Herzogtum Nassau im Jahr 1866 nach dem preussisch-Am Dreiländereck erreicht die Basaltdecke ihren nordwestlichen Randöstereichischen Krieg von Preußen annektiert worden war, verlor der dortige Grenzstein KP GODF Nr. 195  seine Bedeutung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, bedingt durch die Bildung des Landes Rheinland-Pfalz, wurde er zum Dreiländereck. Am Dreiländereck erreicht die Basaltdecke ihren nordwestlichen Rand. Die Bäche wie hier der Winterbach bilden beim Verlassen der Basaltdecke mehrfach eine tiefe Schlucht aus, die von meterdicken Basaltblöcken eingerahmt sind. Besonders im Frühjahr bedecken dann rot und weiß blühender Lerchensporn, Goldsterne, gelbe und weisse Buschwindröschen, Lungenkraut oder die Schuppenwurz dichte Teppiche auf dem Waldboden.

Rabenscheid

Der Dorfbrunnen in RabenscheidRabenscheid ist ein Ortsteil der Großgemeinde Breitscheid und liegt im Lahn-Dill-Kreis unweit der Landesgrenze Hessens zu Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. 1398 wird Rabenscheid erstmals urkundlich erwähnt, es heißt zu diesem Zeitpunkt aber noch Rabinscheid. Der Name Rabenscheid soll auf die großen Kolkraben, die klugen Vögel Wotans, die mit ihrem klangvollen Rufen einst die dicht bewaldeten Höhen erfüllten, und auf Scheid (Grenzwald) zurückzuführen sein. 1812 kauften die Rabenscheider Bürger das Beilsteiner Schloss für 800 Gulden. Früher hatte der Ort einen Bahnhof an der Bahnstrecke Haiger–Breitscheid, der jedoch 4 km entfernt im Aubachtal lag. Die Bahnstrecke Haiger–Breitscheid, auch unter dem Namen ‚Balkanexpress‘ oder Die evangelische Kirche in RabenscheidAubachtalbahn bekannt, war 12,3 km lang und führte von Haiger nach Breitscheid im Westerwald. Der erste Teilabschnitt bis Rabenscheid wurde am 15. Dezember 1926 eröffnet, die restliche Strecke erst am 15. Mai 1939. Durch die zunehmende Konkurrenz auf der Straße verlor die Strecke in der Nachkriegszeit immer mehr an Bedeutung, sodass ab 1969 die Anzahl der verkehrenden Züge immer weiter ausgedünnt wurde. Ab Sommer 1979 verkehrten werktags nur noch drei Personenzugpaare zwischen Haiger und Breitscheid. Außerhalb des Ortskerns befindet sich die historische Kirche, die auf einen trutzigen Wehrturm zurückgeht. Der Turm wurde durch den Anbau des Kirchenschiffs erweitert.

Wegpunkte der Etappe von Lützeln nach Rabenscheid

 Route von Lützeln nach Rabenscheid

WP01  N50°40.8959 E008°08.9048,  Lützeln-Ort
WP02  N50°42.1947 E008°05.7963,  Bei der Klopfmaschine
WP03  N50°41.7216 E008°05.9325,  Auf dem Kreuz
WP04  N50°39.0946 E008°08.4060,  Liebenscheid
WP05  N50°39.5190 E008°06.1706,  Ketzerstein
WP06  N50°51.4493 E008°01.1497,  Fuchskaute
WP07  N50°42.8896 E008°04.2087,  Dreiländereck
WP08  N50°39.5115 E008°06.1645,  Rabenscheid-Ort

Etappenroute (gpx)

Fotoalbum (Flickr) 

Über Dieter

Nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit seit dem 1.10.2012 im Ruhestand. Meine freie Zeit verbringe ich mit Fotografieren, ehrenamtlicher Web-Administration, Desktop Publishing, Digitalisierung von Fonts, Digitalisierung von Hörspielen usw. Daneben interessiere ich mich für Theater und für Kunstgeschichte sowie Geschichte allgemein.
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