Von Ittenbach zum Drachenfels

Ausblick vom neugestalteten Drachenfelsplateau

Unterwegs auf dem Bergischen Weg im Siebengebirge

Anreise mit Pkw zum Parkplatz Soldatenfriedhof Ittenbach, Logebachstraße (Navi-Eingabe N50°40’45“ E7°16’41“) unmittelbar am Bergischen Weg. Rückfahrt mit Buslinie 521 von Bushaltestelle Königswinter-Mitte in der Hauptstraße bis Ittenbach Busbahnhof. Von dort zu Fuß zurück zum Parkplatz Soldatenfriedhof.

Fahrplanauskunft der VRS unter http://auskunft.vrsinfo.de/vrs/cgi/process/eingabeRoute

Tourbeschreibung

Blick von der Löwenburg auf den DrachenfelsDie 12 km lange Wanderung führt über den Bergischen Weg in westlicher Richtung vorbei an der Frühmesseiche und durch das Einsiedlertal zur Waldgaststätte „Löwenburger Hof“. Ein Abstecher hoch zur Ruine Löwenburg sollte mit eingeplant werden. Weiter geht es dann über den Breiberg und die Knelingshardt bergab bis nach Rhöndorf mit dem Waldfriedhof, der Marienkapelle und dem Ulanendenkmal. Wer mag, kann dem Adenauergrab und dem Adenauerhaus einen kurzen Besuch abstatten. Vom Ulanendenkmal geht es oberhalb der Weinberge steil bergauf zum Drachenfels (Einkehrmöglichkeit). Vom Drachenfels entweder mit der Zahnradbahn bis zur Talstation oder zu Fuß parallel zur Zahnradbahn ins Tal. Die Markierungen dieser Etappe des Bergischen Wegs entsprechen nicht dem Standard der vorausgegangenen Etappen!

Siebengebirge

Aufstieg von Ittenbach ins SiebengebirgeBereits im 1. Jahrhundert n. Chr. entstanden im Siebengebirge die ersten römischen Steinbrüche. Dort wurde Trachyt abgebaut, das mit Schiffen auf dem Rhein abtransportiert wurde. Im 11. Jahrhundert kam es dann zur Wiedereröffnung zahlreicher Steinbrüche. Die nun abgebauten Gesteine wurden zum Bau zahlreicher rheinischer Kirchen genutzt. Der Bau des Kölner Doms wurde bereits im Jahr 1248 mit Steinen des Siebengebirges angefangen, der Abbau dafür hielt 312 Jahre bis in das Jahr 1560 an. Weitere Steinbrüche wurden von der Zisterzienserabtei Heisterbach betrieben und zur Errichtung des Klostergebäudes und der Abteikirche mit Latitgestein genutzt. Die zahlreichen Steinbrüche drohten das Siebengebirge völlig zu zerwüsten. Um den markantesten Berg und seine Burgruine vor dem Steinbruchbetrieb und damit Ausblick ins Einsiedlertalvor der endgültigen Veränderung zu retten, enteignete der preußische König ohne Rechtsbefugnis die Besitzer des Drachenfelses. Im Jahre 1836 erwarb die preußische Regierung den Drachenfels samt Burgruine zum Schutze der Natur für 10.000 Taler. Zum Schutz des Siebengebirges wurde bereits im Jahre  1869 der Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) gegründet, dem zahlreiche wohlhabende Bürger aus Bonn angehörten. Am 7. Juni 1922 ist das Siebengebirge zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Es ist somit eins der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Ein Jahr später wurde der Kahlschlag von Wäldern verboten sowie zahlreiche Pflanzen und Tierarten unter Schutz gestellt und m Jahre 1930 jede auf Gewinnung von Bodenschätzen gerichtete Tätigkeit untersagt.

Ittenbach

Kriegsgräberstätte IttenbachDie Ortschaft Ittenbach wurde 992 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt. Bis zum Jahr 1803 gehörte Ittenbach zum kurkölnischen Amt Wolkenburg. Ittenbach wurde damals zunächst dem Fürstentum Nassau-Usingen zugeordnet, kam nach der Bildung des Rheinbunds aber im Jahr 1806 zum Großherzogtum Berg und  gehörte zum Kanton Königswinter im Département Rhein. Nach den Beschüssen auf dem Wiener Kongress kam das Rheinland 1815 zum Königreich Preußen. Unter der preußischen Verwaltung wurde  Ittenbach 1816 der Bürgermeisterei Königswinter im Kreis Siegburg zugeordnet. Die Straßenverbindung von Ittenbach nach Königswinter, auf der die heutige Landesstraße 331 verläuft, geht  auf einen Fuhrweg aus dem Jahre 1862 zurück und wurde 1928 durch Ausbau dem allgemeinen Kraftverkehr zugänglich gemacht. Auf dem Soldatenfriedhof in Ittenbach ruhen 1871 Tote des Zweiten  Weltkrieges, Der Raum Königswinter lag bis Ende des Krieges abseits des großen Kampfgeschehens. Erst als die Amerikaner am 7. März 1945 nachmittags die Ludendorff-Brücke zwischen Remagen  und Erpel überschritten, kam der Krieg zu Lande ins Siebengebirge.

Ruine Löwenburg

Die Ruine LöwenburgDie Löwenburg wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von Heinrich II., Graf von Sayn, der aus dem Westerwald vorgedrungen war, als Grenzfeste gegen die kurkölnischen Burgen Drachenfels und Wolkenburg errichtet. Durch Erbfolge gelangte die Burg 1269 an eine Linie der Grafen von Sponheim-Heinsberg, die sich dann als Herren von Löwenburg bezeichneten. Der Hauptort ihrer Herrschaft wurde Honnef. Als Folge zahlreicher Besitzerwechsel fiel die Burg 1484 an das Herzogtum Jülich-Berg und bildete das Amt Löwenburg, welches bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts von der Burg aus verwaltet wurde. Die Kriegszüge am Ende des 16. Jahrhunderts, unter denen das Amt Löwenburg besonders litt, ließen sie zur Ruine werden. Erhalten sind die Zisterne im Burghof und zwei Seitenmauern des ehemaligen Waldgasthaus „Löwenburger Hof“Bergfrieds der Hochburg. 1861 übernahm die Königlich Preußische Oberförsterei Siebengebirge die Verwaltung des Ruinengeländes. Die Löwenburg bietet von der begehbaren Ruine mit den Ausgrabungen und den Resten des Bergfriedes die Aussicht auf das Rheintal sowohl in Richtung Bonn als auch in Richtung Süden und die umliegenden Berge des Siebengebirges. Der Gipfel der Löwenburg ist nur zu Fuß zu erreichen. Am nördlichen Berghang liegt unterhalb der Löwenburg der „Löwenburger Hof“ an der Stelle eines ehemaligen Forsthauses aus dem 18. Jahrhundert, dem früheren Bau- und Viehhof der Burg. Seit seiner Umgestaltung zum Hotel- und Gastwirtschaftsbetrieb 1910 lebt der Hof zum Großteil von Touristen und Wanderern, die beim Auf- oder Abstieg an diesem Restaurant vorbeikommen. Einmalig am Bergischen Weg: Die Waldwirtschaft „Löwenburger Hof“ kennt keinen Ruhetag und ist 365 Tage im Jahr von 10.00 bis 18.30 Uhr geöffnet!

Waldfriedhof

Die neue Friedhofskapelle auf dem WaldfriedhofDer Waldfriedhof in Rhöndorf wurde Anfang der 1920er Jahre nach Plänen des Bildhauers Karl Menser (1872-1929) angelegt und ist ein Bauwerk der Landschaftsarchitektur. Er gilt als Beispiel für von der damaligen Reformbewegung geprägte Begräbnisstätten, die sich in Absetzung von den großen Zentralfriedhöfen an Prinzipien der Landschaftsgärten orientierten. Zu seiner Gesamtkonzeption gehörten runde Grabfelder, Teiche sowie verschiedene Einzelbauwerke und die ursprüngliche Friedhofskapelle: „Wälder, Berge, Hügel und Täler sollen dem Totenleuchte am Eingang des WaldfriedhofsGottesacker als wirkungsvoller Rahmen dienen Es müssen Pflanzenwuchs, Berghalde und Grabzeichen der Umgebung die Hand reichen und so ein Bild schönster Eigenart schaffen“, so Karl Menser. Für den Bau der Mauern, Treppen und verschiedener Einzelbauwerke wurde Material aus einem höher gelegenen Steinbruch eingesetzt. Seine angestrebte Prägung als Waldfriedhof erhielt er erst in den folgenden Jahren und Jahrzehnten mit dem Wachstum der neu gepflanzten Bäume. Der Friedhof war die einzige von Karl Menser entworfene Begräbnisstätte; nach seinem Tod 1929 wurde er hier bestattet. Von Menser stammen die 1930 erbaute Kapelle zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges und die Totenleuchte am Eingang mit der Inschrift „LUX PERPETUA LUCEAT EIS“. Seit 1948 befindet sich am nordöstlichen Rand das Grab der Familie Adenauer, in dem der erste Bundeskanzler 1967 beigesetzt wurde.

Marienkapelle

Blick über die Marienkapelle hinauf zum DrachenfelsNachdem eine Kapelle in Rhöndorf 1689 von französischen Truppen zerstört worden war, wurde die jetzige Kapelle ab 1714 im Barockstil neu erbaut und 1716 unter dem Titel „Mariae Heimsuchung“ geweiht. Links vom Portal befindet sich das Wappen des Grafen von Nesselrode-Reichenstein, Probst in Oberpleis, der das Grundstück stiftete. An der Ostseite steht ein Wegekreuz aus dem Jahr 1728. Die Turmuhr ist aus dem Jahr 1761. Hinter der Rückseite steht ein Gedenkstein für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Im Inneren befindet sich ein Barockaltar mit der holzgeschnitzten Marienstatue im Strahlenkranz und dem Ehewappen des Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg (Jan Wellem) und seiner zweiten Frau Anna Maria Lovisa von Medici.

Ulanendenkmal

Das Ulanendenkmal unterhalb des DrachenfelsDas Ulanendenkmal in Rhöndorf ist ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des Ulanen-Regiments Großherzog Friedrich von Baden Nr. 7 und steht am Rhöndorfer Südhang des Drachenfels am oberen Ende der gleichnamigen Weinlage auf einer terrassierten Bergkuppe. Ein Denkmal zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des Regiments sollte zunächst in der alleinigen Garnisonstadt Saarbrücken entstehen, die aufgrund des seinerzeitigen Status des Saargebiets und seiner Anbindung an Frankreich jedoch ausschied. Im Zuge der Bemühungen um einen Alternativstandort stellte die aus Rhöndorf stammende Mutter eines Rittmeisters des Regiments ein Grundstück für den Bau des Denkmals bereit. Das Denkmal entstand nach einem unentgeltlich ausgearbeiteten Entwurf des Architekten Emil Fahrenkamp. Die Bauausführung übernahm ein ortsansässiger Baumeister. Die Baukosten wurden aus Spenden bestritten. Mit dem Bau wurde noch vor 1923 begonnen, die Einweihung erfolgte am 27. September 1925 im Beisein von knapp 1.000 Menschen.

Drachenfels

Ruine DrachenfelsDie Ruine des dreistöckigen Bergfrieds auf dem Drachenfels ist das eigentliche Wahrzeichen des Siebengebirges. Die Burganlage wurde nach 1138 vom Kölner Erzbischof Arnold begonnen und etwa 1167 fertig gestellt. Außer dem Bergfried bestand die Burg ursprünglich aus Palas, Kapelle und Dienstbotenwohnungen. Die Burg auf dem Drachenfels diente zur Absicherung des Kölner Gebietes nach Süden hin. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg im Jahre 1634 vom Kurfürsten von Köln geschleift und anschließend nicht mehr aufgebaut. Vom Palas ist nur noch ein Mauerstück mit Fensteröffnung („Kölner Fenster“) erhalten. Einer der letzten der Linie der Burggrafen vom Drachenfels starb 1530. Graf Heinrich wurde in der Klosterkirche von Heisterbach in der dortigen Familiengruft beerdigt. Sein Grabstein wurde bei der Zerstörung des Klosters Heisterbach  Restaurant mit dem neugestalteten Drachenfelsplateau in Königswintergerettet und ist heute an der ab 1903 erbauten Kirche St. Mariae Heimsuchung in Rhöndorf zu sehen. Im Laufe der Zeit wuchsen die Trachyt-Steinbrüche bis an die Kuppe des Drachenfels heran. Als ab 1807 die vollständige Zerstörung drohte, wurde die Abbautätigkeit verboten und 1836 die Bergkuppe von der preußischen Regierung gekauft. Am 18. Oktober 1819 zogen Bonner Studenten auf den Drachenfels, um den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig zu feiern. Unter ihnen war Heinrich Heine, der in seinem Gedicht „Die Nacht auf dem Drachenfels“ diesen burschenschaftlichen Ausflug beschrieb. 1967 kam es zu größeren Felsabbrüchen. Von 1971 bis 1973 wurde die Bergkuppe durch Stahlanker und Betonarmierungen gesichert. Wenn man dann zur Brüstung geht, wird einem klar, dass hier ein beträchtlicher Teil der Burg den Steinbrechern zum Opfer gefallen ist. Dafür wird man mit einem hervorragenden Ausblick auf die Region belohnt.

Wegpunkte Bergischer Weg von Ittenbach zum Drachenfels

Etappenroute von Ittenbach zum Drachenfels

WP1  N50°40.6995 E007°16.7292,  Soldatenfriedhof
WP2  N50°40.0269 E007°15.9382,  Frühmesseiche
WP3  N50°39.8547 E007°14.9801,  Ruine Löwenburg
WP4  N50°39.9973 E007°15.1123,  Löwenburger Hof
WP5  N50°39.7289 E007°13.0568,  Waldfriedhof
WP6  N50°39.4804 E007°12.7664,  Drachenfelsquelle
WP7  N50°39.4739 E007°12.6279,  Marienkapelle
WP8  N50°39.6880 E007°12.7668,  Ulanendenkmal
WP9  N50°39.8758 E007°12.6161,  Drachenfels

Etappenroute (gpx)

Fotoalbum (Flickr)

Über Dieter

Nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit seit dem 1.10.2012 im Ruhestand. Meine freie Zeit verbringe ich mit Fotografieren, ehrenamtlicher Web-Administration, Desktop Publishing, Digitalisierung von Fonts, Digitalisierung von Hörspielen usw. Daneben interessiere ich mich für Theater und für Kunstgeschichte sowie Geschichte allgemein.
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