Stadtrundgang Hann. Münden

Blick über die Werra

Wo Werra sich und Fulda küssen

Fachwerkjuwel

Vor der BurgHann. Münden (früher Hannoversch Münden) ist eine Stadt im Landkreis Göttingen, südliches Niedersachsen, an der Grenze zu Hessen sowie unweit von Thüringen. Der Gebrauch des ursprünglichen Namens Münden führte häufig zu Verwechslungen mit dem ähnlich klingenden Minden, das ebenfalls an der Weser liegt und von der Handelsschifffahrt aufgesucht wurde. Nach Münden adressierte Post tauchte immer wieder in Minden auf. Deshalb beschloss die Stadt Münden, ihrem Stadtnamen die Bezeichnung Hannoversch voranzusetzen und die Stadt Hannoversch Münden zu nennen, da sie zu dem 1692 entstandenen Kurfürstentum Alte Werrabrücke mit Lange Straßeund späteren Königreich Hannover gehörte. Goethe und die Brüder Grimm schrieben meist Minden, manchmal mit dem Zusatz Hannöverisch. Die erste urkundliche Erwähnung in einem Dokument von 1183 spricht schon von einer Stadt. Der offenbar planmäßig angelegte Siedlungskern von Münden ist ein Areal von 450 × 350 Meter im Mündungsdreieck von Werra und Fulda. Um das Jahr 1200 wurde mit dem Bau der Stadtbefestigung Münden als Stadtmauer mit Stadttoren und Mauertürmen begonnen. 1247 stattete der Braunschweiger Herzog Otto I. die Stadt mit dem Mündener Stapelrecht als Privileg aus. Dies verhalf der Stadt zu einem Fachwerkensemblegroßen Aufschwung und wurde erst 1824 aufgehoben. Vorteilhaft für Münden wirkte sich auch die Felsbarriere des Werrahohls am Rande der Stadt aus, das die Schiffer zum Abladen ihrer Waren in der Stadt zwang. Im 16. Jahrhundert war Gedenkstein an der St.-Blasius-KircheMünden die wichtigste Handelsstadt an der Weser bis Bremen für Waren vor allem aus Thüringen. Entsprechend entstanden am westlichen und nördlichen Altstadtrand die Schlagden als Handels-, Umschlags- und Anlegeplätze an den Schifffahrtswegen Werra und Fulda. An der Werra lag die Wanfrieder Schlagd und an der Fulda die Bremer sowie die Kasseler Schlagd, an denen die noch heute vorhandenen Lagerhäuser des Packhofs und des Alten Packhofs errichtet wurden. Gehandelt und auf der Weser transportiert wurden vor allem Färberwaid, damals ein wichtiges blaues Färbemittel, Glas, Textilien und Flöße mit Holz und Getreide aus Thüringen. Von der Nordsee kamen weseraufwärts Heringe und andere Fische. 1342 wurde Münden von der Magdalenenflut heimgesucht. Ein Gedenkstein an der  St.-Blasius-Kirche gibt mit gotischen Schriftzügen darüber Auskunft und markiert zugleich die größte Höhe des damaligen Wasserspiegels. Blick auf die TillyschanzeNoch vor dem Augsburger Religionsfrieden setzte sich der Protestantismus durch. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt am 30. Mai 1626, dem sogenannten Blutpfingsten, nach mehrtägigem Beschuss durch die Söldner Tillys eingenommen und ein Großteil der Bevölkerung umgebracht. Im Siebenjährigen Krieg wurde die Stadt in der Zeit zwischen 1757 und 1762 wiederholt von französischen Truppen besetzt, die auf dem Questenberg die Franzosenschanze anlegten. 1776 wurden in Münden fast 20.000 hessische Soldaten eingeschifft, die der Landgraf von Hessen-Kassel Friedrich II. an den hannoverschen Kurfürsten und König von Großbritannien, Georg III., vermietet hatte. Sie wurden im Kampf gegen die amerikanischen Truppen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eingesetzt. Die Rückführung der Soldaten fand im November 1783 auch über Münden statt; aber kaum mehr als die Hälfte kam zurück.

Historisches Rathaus

Mündener RathausDas historische Rathaus zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der Weserrenaissance. Das Erdgeschoss, das sogenannte Koph-Hus (Kaufhaus) hat einst als Börse, das darüber liegende Hochtiedshus (Hochzeitshaus), den Bürgern zum Feiern gedient. Heute ist  das altehrwürdige Gebäude Verwaltungssitz des Bürgermeisters und beherbergt unter anderem das Standesamt und die Tourist-Information. Dreimal täglich erklingt im Rathaus-Giebel das Glockenspiel mit dem Lied des Doktor Eisenbart. Das prunkvolle Portal, die drei Zwerchhäuser und der doppelgeschossige Erker, die sogenannte Utlucht prägen die Nordfront des historischen Rathauses. Die untere Rathaushalle ist mit Wandmalereien zur Stadtgeschichte reich verziert. Das Rathaus wurde 1603-1608 durch den Lemgoer Baumeister Georg Crossmann umgebaut und erhielt seine heute unverwechselbare Schmuckfassade.

St.-Blasius-Kirche

St.-Blasius-KircheDie dreischiffige, gotische Hallenkirche steht inmitten der Altstadt, umgeben von historischen Häusern. Um 1000 stand hier eine Kapelle auf einem fast quadratischen Grundriss, sie wurde um 1150 mit einem romanischen Bau nach Westen erweitert. Von 1180 bis 1190 wurde eine Erweiterung zur romanischen Basilika vorgenommen, diese brannte später ab. Auf den Grundmauern der romanischen Kirche wurde in drei Bauabschnitten das heutige Gebäude errichtet. In der Zeit von 1260 bis 1280 errichtete man das erste Joch und den Chor, eine Trennwand diente als vorläufiger Abschluss nach Westen. Nach einer links neben dem Nordportal St.-Blasius-KircheSüdportal befindlichen Inschrift erfolgte die Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes von 1487 bis 1519 mit dem Anbau einer Sakristei und dem Unterbau des Turmes. In dieser Zeit wurde auch das Schiff vollendet. Über dem Aufgang des Turmes ist die Jahreszahl 1488 erhalten. Der Turm wurde im dritten Bauabschnitt von 1535 bis 1584 vollendet. Er ist achteckig, 58 Meter hoch, in das Gebäude einbezogen und mit einer Welschen Haube bekrönt. Das Satteldach überragt er nur wenig. Von 1584 bis 1929 wachten Türmer von hier aus über die Stadt. Die 46 Meter lange und 23 Meter breite Kirche ist seit 1540 evangelisch. Seit dem Abbruch der nördlichen Empore im Jahr 1958 hat das Gebäude wieder den Charakter einer gotischen Hallenkirche.

St.-Aegidien-Kirche

St.-AegidienkircheDie kleinere der beiden historischen Altstadtkirchen von Hann. Münden trägt ihren Namen nach einem frommen Abt, der um 721 in der Provence ein Kloster gegründet hatte und dessen Grab im Mittelalter eine berühmte Wallfahrtsstätte war. Aegidius zählt zu den 14 Nothelfern der alten Kirche.  Der erste Vorgängerbau der heutigen Kirche war eine kleine Kapelle aus romanischer Zeit, deren Reste 1964 bei einer Ausgrabung im Kircheninneren entdeckt wurden. Sie wurde im 13. Jahrhundert durch einen gotischen Bau ersetzt. Mit der Einführung der Reformation durch Herzogin Elisabeth und Antonius Corvinus in den Cafe Aegidus1540er Jahren wurde die Aegidienkirche lutherisch. Bei der blutigen Eroberung Mündens durch den kaiserlichen Feldherrn Tilly im Jahr 1626 zerstörte die Explosion eines Pulverturms die Kirche. Nur der Chor und die Sakristei blieben erhalten. Als die schlimmsten Folgen des Dreißigjährigen Kriegs überwunden waren, konnte 1684 ein neues Langhaus gebaut werden. 1729 folgte die Aufstockung des Turms in Fachwerkbauweise. 1727 starb „Doktor Eisenbarth“ auf Behandlungsreise in Münden und wurde in der Gruft der Aegidienkirche beigesetzt. Sein Epitaph befindet sich seit dem 19. Jahrhundert an der südlichen Außenwand der Kirche. Das in seiner heutigen Gestalt größtenteils aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammende Gotteshaus wurde im Jahr 2006 entwidmet und 2008 vom Eigentümer des gegenüber der  Kirche liegenden Hotels erworben. 2010 eröffnete dieser das „Café Aegidius“, wobei der ursprüngliche kirchliche Charakter und die Botschaft des Gebäudes aufrecht erhalten wurde.

Kirche der evangelisch-reformierten Gemeinde

Kirche der evangelisch-reformierten GemeindeIm Jahre 1708 kam es durch einen Gnadenerlass des Erzherzoges von Braunschweig und Lüneburg, Georg Ludwig, zur Gründung einer evangelisch-reformierten Gemeinde. Da die Stadt jedoch zum Königreich Hannover gehörte, waren die Untertanen evangelisch-lutherisch. Nur die  Zugezogenen und Bürger aus Nordhessen gehörten der reformierten Kirche an. Um keinerlei Anstoß der lutherischen Gemeinde zu erregen, wurde die Bedingung gestellt, eine gewisse „Unscheinbarkeit“ des Kirchengebäudes zu bewahren. Deshalb wurde das Gebäude ohne äußerliche Zeichen einer Kirche gestaltet. Es wurde im Stile eines Bürgerhauses gebaut und passte sich somit dem Straßenbild in der Burgstraße an. Diese baugeschichtliche Besonderheit macht die evangelisch-reformierte Kirche zu einem einmaligen, kirchengeschichtlichen Baudenkmal in Südniedersachsen.

Welfenschloss

WelfenschlossDas Welfenschloss, das als fürstliches Haus eingerichtet war, wurde im Jahre 1501 durch Herzog Erich I. von Lüneburg-Braunschweig als gotischer Bau vollendet und diente fortan als Residenz und Verwaltungssitz. 1560 wurde es durch einen Brand fast vollständig zerstört und durch Herzog Erich II. im Stil der frühen Weserrenaissance wieder aufgebaut. Das heutige Welfenschloss ist der eindrucksvolle Überrest früherer Herrschaftssitze, das mit dem Tode Erichs II. seinen einmaligen Glanz verlor und von dort an nur noch gelegentlich Aufenthaltsort des Landesherrn war. Im Jahre 1849 zerstörte ein Feuer den Südflügel des Schlosses, der nicht wieder aufgebaut wurde. Original sind noch zwei Renaissancegemächer mit flächendeckenden Wandmalereien, wie sie in dieser Geschlossenheit in Deutschland sonst nicht mehr erhalten sind. Heute befindet sich neben dem Stadtarchiv, der Stadtbücherei und dem Amtsgericht auch das Städtische Museum im Schloss.

Alte Werrabrücke

Alte WerrabrückeIn Hann. Münden befindet sich am nördlichen Ende der Stadt eine der ältesten Steinbrücken Norddeutschlands, die Alte Werrabrücke. Die Entstehung wird auf das Jahr 1250 geschätzt. Früher war das historische Bauwerk mit Türmen und Überdachungen bereichert, welche jedoch gegen Ende des 18. Jahrhunderts einer Verbindungsstraße zwischen Hannover und Kassel weichen mussten, damit die Brücke auch von größeren Frachtwagen passiert werden konnte. Dadurch konnte die Brücke der wichtigen Fuinktion des Handels gerecht werden. Zudem hatte sie auch militärischen Zweck, da sie Teil der Wehranlagen war. Im Laufe der Zeit litt die Brücke unter Umwelteinflüssen wie Hochwasser und Gewitter, welche dem Bauwerk so starke Schäden zusetzten, dass es 1986 komplett saniert wurde. Die Brücke dient heute nur noch Fußgängern und wird nicht mehr zum Autoverkehr benutzt. Somit können Touristen die Aussicht genießen und die Steinbänke nutzen.

Doktorwerder

Figur Doktor EisenbartVon der alten, steinernen Werrabrücke aus, führt der Weg durch einen Torbogen, vorbei an einer überlebensgroßen Figur des Arztes Doktor Eisenbart, direkt auf den Doktorwerder, einer kleinen, idyllischen Insel, inmitten der Werra gelegen. Auf dieser grünen Oase steht das Denkmal zur Gründung des mittel- deutschen Sängerbundes aus dem Jahre 1839. Zahlreiche Skulpturen des Mündener Bildhauers Wüpper (1911 bis 1995) bilden einen kleinen Skulpturenpark. Der im Rahmen der Expo 2000 angelegte Themenpfad „Wasser“ kann ebenso besichtigt werden wie das Expo begleitende Kunstprojekt „3 Räume – 3 Flüsse“.

Mundenia – Die Schauende

MundeniaVon ihrem neuen Standort auf der Schlagdspitze an der „kleinen Weser“  aus blickt Mundenia als Schutzpatronin Mündens flussabwärts in Richtung Bremen, woher einst der Wohlstand mit den Schiffen in die Stadt kam. 35 Jahre hatte die Skulptur, eines der Hauptwerke von Heinz-Detlef Wüpper, am früheren Kreislandschulheim in Pelzerhaken gestanden und aufs Meer geblickt. Zum 100. Geburtstag des Künstlers  hat die Skulptur an der Mündener Schlagdspitze einen neue Heimat gefunden und eine neue Aufgabe als Schutzpatronin der Stadt. Über 15 000 Euro haben Mündener Bürger dafür gespendet, dass die Skulptur von ihrem früheren Standort in Pelzerhaken nach Hann. Münden transportiert und an der Schlagdspitze aufgestellt werden konnte.

Weserstein

WesersteinDer Zusammenfluss von Werra und Fulda ist der Ursprung der Weser. Im Jahr 1899 lässt der Fabrikant Carl Natermann einen 70 Zentner schweren Quarzit aus den Wäldern von Hann. Münden an die Spitze der Insel Unterer Tanzwerder stellen.  Darauf zu lesen stehen die von ihm gedichteten poetischen Verse: „Wo Werra sich und Fulda küssen / Sie ihren Namen büßen müssen / Und hier entsteht durch diesen Kuß / Deutsch bis zum Meer der Weserfluß“. Die gemeinsame Herkunft der  Flussnamen Weser und Werra weist darauf hin, dass die heutige Werra einst als Oberlauf der Weser galt, die größere, aber kürzere Fulda dagegen nur als Nebenfluss. Die Trennung der Namen Weser und Werra entstand erst im  Frühneuhochdeutschen. Die Entfernung bis zur Mündung der Weser in die Nordsee beträgt 452 km.

Stadtbefestigung

RotundeWie alle größeren Städte war auch Münden im Mittelalter von einem Mauerring zur Verteidigung der Stadt und zur Eingrenzung der stadtbürgerlichen Freiheit umgeben. Außerhalb der Stadt galt anderes Recht.  Die Stadtbefestigung bestand im Wesentlichen aus einer rund 1,7 km langen Stadtmauer mit Wehrtürmen und Stadttoren. Das in der nordöstlichen Ecke liegende Welfenschloss Münden war in die Stadtbefestigung einbezogen, bildete aber mit der Schlossfreiheit einen eigenen Bezirk innerhalb der Stadt. Zur Stadtbefestigung zählten 26 Stadtbefestigung am Kasseler SchlagdTürme, darunter Rundtürme und Schalentürme bzw. turmähnliche Bauwerke, wie Pforten, in die Stadtmauer eingelassene Bollwerke sowie die vorgelagerte Rotunde. Davon erhalten geblieben sind 12 Bauwerke, zum Teil nur in rudimentärer Weise. Gut erhaltene Türme von wesentlicher Höhe sind der Fährenpfortenturm, der Hampesche Turm, der Ziegelpfortenturm und der Kronenturm. Der 1515 erstmals erwähnte Kronenturm, in dem sich ein Verlies befand, hieß ursprünglich Fangenturm und wurde im Volksmund nach dem angrenzenden Hotel Zur HagelturmKrone benannt. Von der Mündener Stadtmauer ist nicht mehr allzu viel erhalten geblieben. Das Kriegsministerium in Hannover überließ sie 1836, als ihr militärischer Zweck längst durch die modernen großkalibrigen Feuerwaffen hinfällig geworden war, wieder der alleinigen Verfügungsgewalt des Magistrats, der umgehend mit ihrer Niederlegung begann, um nicht mehr Kosten für ihre völlig zwecklose Erhaltung aufwenden zu müssen. Die von Schießscharten unterbrochene Bekrönung und der Laufgang für die Verteidiger mit dem ziegelgedeckten ZiegelpfortenturmDach darüber sind durchweg verschwunden. Nach dem Niedergang der Stadtbefestigung erwarb der Unternehmer Carl Georg August Natermann 1848 den Fährenpfortenturm und ließ ihn zur Schrotkugelherstellung um ein Drittel auf eine Höhe von 40 Meter erhöhen. Diese Nachnutzung und eine ähnlich hohe Aufstockung auf 42 Meter erfuhr der Hampesche Turm ab 1848. Der Ziegelpfortenturm erhielt in den 1930er Jahren einen Durchbruch für Fußgänger, da die Straße aus verkehrstechnischen Gründen verbreitert worden ist. Der einzige vierreckige KronenturmTurm befindet sich am Dielengraben nahe dem Welfenschloss. Abgesehen vom Pulverturm, dem Siebenturm und dem Mühlentor am Ende der Mühlenstraße mit dem Turm darüber, die gänzlich verschwunden sind, hat das obere Tor im Laufe der Jahrhunderte die größten Wandlungen durchgemacht. Von der einst mächtigen Tor- und Verteidigungsanlage ist nur noch die Rotunde übrig geblieben. Sie wurde in den Jahren 1985/86 restauriert. Dabei erhielt sie ein schiefergedecktes Dach. Heute befindet sich im Inneren des Gebäudes eine Gedenkstätte für die Gefallenen der Weltkriege und an der Südseite eine Gedenkstätte für die Opfer der Gewalt des Nationalsozialismus.

Doktor Eisenbart

Sterbehaus Doktor Eisenbart in der Langen StraßeDer am 11. November 1727 in Münden verstorbene Johann Andreas Eisenbart erlangte durch seine Heilerfolge als Wundarzt und Starstecher landesweit großen Ruhm. In Preußen wurde er wegen seiner augenärztlichen Leistungen vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. zum Hofrat und Hof-Augenarzt ernannt. Bis heute bekannt geblieben ist Eisenbart jedoch, obwohl er nie einen Doktor-Grad führte, vor allem durch ein um 1800 verfasstes Trinklied mit dem Titel „Ich Holzstatue Doktor Eisenbartbin der Doktor Eisenbart“. Eisenbart wurde zwischen 1686 und 1715 von zahlreichen Landesherren mit Privilegien ausgestattet, die es ihm ermöglichten, als Landarzt in einem zusammenhängenden Gebiet von selbst für heutige Begriffe ungeheurem Ausmaß tätig zu werden, ohne bei seiner Reisetätigkeit von Landesgrenzen behindert zu werden und damit ohne die sonst üblichen Zölle für seine mitgeführten Arzneimittel zahlen zu müssen. Dies ermöglichte es ihm, die rund 20 in seiner Magdeburger Manufaktur produzierten Heilmittel so gewinnbringend zu vertreiben, dass er zeitweise St. Aegienkirche Epitaphemit 120 Helfern von Ort zu Ort ziehen und als einer der ersten Ärzte in Deutschland Flugblätter und in Zeitungen Inserate als Werbemittel nutzen konnte. Das täglich dreimal erklingende Glockenspiel im Giebel des Rathauses dem Doktor-Eisenbart-Lied und einem Figurenumlauf zeigt den Chirurgen unter anderem beim Extrahieren eines Zahns, was der historische Chirurg nie getan hat. An einem Gebäude in der Langen Straße befindet sich eine farbige Holzstatue des Chirurgen, die ihn mit Klistierspritze in den Händen und Arzneiflasche an seinen Füßen darstellt. Ein Vorgängergebäude war das Gasthaus „Zum wilden Mann“, in dem er verstarb.

Eisenbahn

Bahnhof Hann. MündenAm 8. Mai 1856 erhielt die Stadt erstmals durch die Hannöversche Südbahn Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die Strecke führte von Hannover, Göttingen und Dransfeld nach Hannoversch Münden. Am 23. September 1856 wurde die Hannöversche Südbahn bis Kassel verlängert. Zur Vermeidung einer Linienführung über kurhessisches Gebiet wurde die Strecke ab Göttingen über Dransfeld geführt. Dafür nahm man Steigungen von bis zu 18 Prozent in Kauf. Der Streckenabschnitt Göttingen–Dransfeld–Münden, der 1980 stillgelegt und noch bis 1995 als Güteranschlussgleis genutzt wurde, bekam so den Beinamen Dransfelder Regionalexpress nach KasselRampe. Diese Hauptstrecke, an der sich heute noch die Streckenkilometrierung bis Kassel orientiert, wurde von Anbeginn zweigleisig gebaut, während die Strecken Hannover–Göttingen und Münden–Kassel zuerst eingleisig waren. Letztere hatte als einzige Bahnstrecke im Königreich Hannover bei Volkmarshausen nahe Hannoversch Münden einen Tunnel, was für den König der ausschlaggebende Grund für den Bau bis Münden gewesen sein soll. Die wahren Gründe für den Volkmarshäuser Tunnel waren jedoch die Einsparung von Kosten und der Wunsch, die Strecke möglichst auf  gleicher Höhenlage bis Kassel zu führen. So befindet sich auch der Mündener Bahnhof in Hanglage rund 15 Höhenmeter über dem historischen Stadtkern. Die heutige Verbindung über Eichenberg nach Göttingen wurde im Zuge des Ausbaues als  letzter Bauabschnitt der Halle-Casseler-Bahn im Mai 1872 eröffnet. Der Bahnhof liegt nur ca. 8 Gehminuten von der Fußgängerzone und dem Rathaus entfernt. Mittlerweile befindet er sich in Privatbesitz. Von hier aus starten  stündlich Züge zu den ICE-Bahnhöfen Kassel, Kassel-Wilhelmshöhe und Göttingen.

Wegpunkte Hann. Münden Stadtrundgang

Hann. Münden Stadtrundgang

WP01    N51°25.0450.E009°39.0711,  Mündener Rathaus
WP02    N51°25.0121 E009°39.0638,  St.-Blasius-Kirche
WP03    N51°24.9365 E009°39.0834,  Sterbehaus von Doktor Eisenbart
WP04    N51°24.9130 E009°39.1297,  St.-Aegidien-Kirche
WP05    N51°25.0331 E009°39.1780,  Kirche der evangelisch-reformierten Gemeinde
WP06    N51°25.0795 E009°39.2632,  Welfenschloss
WP07    N51°25.1298 E009°39.1500   Alte Werrabrücke
WP08    N51°25.1956 E009°39.0646,  Doktorwerder
WP09    N51°25.1254 E009°39.0619,  Packhof
WP10    N51°25.1333 E009°39.0034,  Mundenia (Die Schauende)
WP11    N51°25.2606 E009°38.9033,  Weserstein
WP12    N51°24.8963 E009°38.9344,  Hagelturm
WP13    N51°24.8803 E009°38.9946,  Ziegelpfortenturm
WP14    N51°24.8546 E009°39.0581,  Rotunde
WP15    N51°24.9513 E009°39.2234,  Kronenturm
WP16    N51°25.0083 E009°39.2708,  Hampesche Turm
WP17    N51°24.7886 E009°39.4799,  Bahnhof

Stadtplan Hann. Münden (pdf)
Route Stadtrundgang Hann. Münden (gpx)
Fotoalbum Stadtrundgang Hann. Münden (Flickr)

Über Dieter

Nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit seit dem 1.10.2012 im Ruhestand. Meine freie Zeit verbringe ich mit Fotografieren, ehrenamtlicher Web-Administration, Desktop Publishing, Digitalisierung von Fonts, Digitalisierung von Hörspielen usw. Daneben interessiere ich mich für Theater und für Kunstgeschichte sowie Geschichte allgemein.
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