Von Geisenheim nach Kiedrich

Kloster EberbachMit der Kamera unterwegs im Rheingau

Anreise mit dem Pkw zum Parkplatz Sonnenlandstraße in 65399 Kiedrich (Navi-Eingabe N50°2’25″ E8°4’56″). Weiter mit dem Bus 172 zum Bahnhof Eltville; umsteigen in Bus 171 bis Geisenheim Bahnhof.

Tourbeschreibung

Caffeehaus Moser im Weindorf JohannisbergWenn es einen Berg gibt, den man mit Wein in Verbindung bringt, dann ist es der Johannisberg. Der weltbekannte Rebenhügel, der vom 50. Breitengrad geschnitten wird, ist seit Jahrhunderten komplett mit Riesling bestockt. Ein Standbild im Schlosshof erinnert an den Reiter, der im Herbst 1775 zu spät mit der Erlaubnis zur Lese vom Bischof in Fulda zurückgekehrt war. Die Trauben hingen faul an den Stöcken – und brachten im nächsten Frühjahr den besten Wein: Durch einen Zufall war die Spätlese erfunden. Schloss Johannisberg liegt nicht direkt am Rheinsteig, aber an einem Zuweg von Geisenheim aus. Von dort führt der Weg Standbild Spätlesereiterunterhalb von Schloss Schwarzenstein in den Wiesengrund hinein und trifft dort auf die blau-weiße Markierung des Rheinsteigs. Sie weist rechts jns Ansbachtal und weiter zum Schloss Vollrads. Von dort geht es durch die Weinberge am ehemaligen Kloster Gottesthal vorbei zu Kühns Mühle. Dort schert die Route nach links aus und führt auf den Susberg. Danach geht es erst leicht abwärts, dann wieder hinauf zum Wegekreuz am Unkenbaum. Hier beginnt der Abstieg zum Steinberg, dem Vorzeigeweinberg des Klosters Eberbach.. Vom Kloster Eberbach folgt man den Rheinsteig-Markierungen im Wald aufwärts zum Honigberg und hinüber ins Grünbachtal, wo es talauswärts nach Kiedrich geht.

Rheingau

Panoramablick am JohannisbergIm alten Frankenreich wurde der Rheingau von den Rheingrafen verwaltet, aber bereits in der karolingischen Zeit geriet der Rheingau zunehmend unter Einfluss des Erzbistums Mainz. Im Jahr 983 nahm Erzbischof Willigis am Reichstag Ottos II. in Verona teil, wo ihm dieser am 13. Juni die sogenannte „Veroneser Schenkung“ machte. Die Schenkung sprach dem Erzbistum Gebiete von Ingelheim bis nach Heimbach und Kaub, das Gebiet beiderseits der unteren Nahe sowie den rechtsrheinischen Rheingau als Lehen zu. Sie war Grundlage für einen großen Teil des späteren Kurstaates (Kurmainz), über den der Erzbischof als Landesherr regierte. Ein wichtiges Instrument der Durchsetzung Mainzer Politik im Rheingau war die Gründung von Klöstern. Nach Auflösung des Kurstaates ging der Rheingau 1803 an das Herzogtum Nassau, das 1866 durch das Königreich Preußen annektiert wurde.

Geisenheim

Blick zum Rheingauer DomGeisenheim wurde 772 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte seit dem Mittelalter zum Erzbistum Mainz, später zum Herzogtum Nassau, zum Königreich Preußen und zum Land Hessen. Seit 1864 besitzt Geisenheim Stadtrechte. Geisenheim ist als Weinstadt, Schulstadt, Domstadt und Lindenstadt des Rheingaus bekannt. Am Ortsausgang in Richtung Rüdesheim ist die 1861-1863/73 erbaute Villa Monrepos mit ihrem prächtigen Park zu bewundern. Die dazugehörigen Obstanlagen bildeten später den Grundstock zu der heute weltbekannten 700-jährige LindeForschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau. Im Stadtkern steht auf dem Marktplatz von Geisenheim eine über 700-jährige Linde, die der Stadt ihren Beinamen gab und Mittelpunkt des alljährlichen Lindenfestes Mitte Juli ist. Weithin zu sehen ist in Geisenheimer der Rheingauer Dom, ein architektonische Prunkstück, das man unbedingt besichtigen sollte. Gegenüber der Linde ist das Geisenheimer Rathaus zu bewundern, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Plänen des bekannten nassauischen Architekten Philipp Hoffmann errichtet wurde. Diesem Architekten ist auch das prächtige Westwerk des Rheingauer Doms zu verdanken.

Schloss Johannisberg

Schloss JohannisbergSchloss Johannisberg ist ein traditionsreiches Weingut und eine Weinlage in Geisenheim. Hier wird ausschließlich Riesling angebaut. Der Legende nach ist die Anlage des Weinbergs auf Karl den Großen zurückzuführen, der von seiner Pfalz in Ingelheim aus beobachtet haben soll, dass der Schnee auf dem Johannisberg als erstes schmolz. Im Jahr 772 wurde eine Schenkung von Geisenheimer Ländereien an die Abtei Fulda beurkundet. 817 tauschten die Mönche die Anlagen mit Ludwig dem Frommen gegen Ländereien in der Wetterau. Kaiser Otto II. verlieh 983 den Mainzer Bischöfen die Hoheitsrechte über den westlichen Teil des Schloss JohannisbergRheingaus, für den Weinberg hatte sich aber bereits zuvor der Name Bischofsberg etabliert. Um 1100 schenkte der Mainzer Erzbischof Ruthard ihn dem Mainzer Benediktinerkloster Sankt Alban, das dort eine neue Mönchsgemeinschaft einrichten sollte. Das neue Kloster wurde dem heiligen Johannes geweiht, und in der Mitte des 12. Jahrhunderts erschien erstmals die Bezeichnung Sankt Johannisberg für den Besitz. Die Säkularisation im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 sprach Schloss Johannisberg nicht dem Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg, der den Rheingau bekommen hatte, sondern dem Haus Nassau-Oranien zu. Im Basilika St. Johannes Baptist neben Schloss JohannisbergWiener Kongress fiel zwar der Rheingau an das Herzogtum Nassau, der Johannisberg blieb jedoch davon ausgenommen. Der österreichische Außenminister Klemens von Metternich konnte Kaiser Franz I. im Jahre 1816 davon überzeugen, ihm den Johannisberg gegen eine jährliche Abgabe von einem Zehntel des Ertrags an das Haus Habsburg zu überlassen. Dieser Zehnte überdauerte bis heute alle politischen Umwälzungen. Seit 1945 wird er in Geld abgegolten, zuvor wurden die Fässer ausgelost.

Schloss Vollrads

Schloss VollradsDen Kern des heutigen Schlosses bildet ein als Wasserburg errichteter wuchtiger Wohnturm, der von einem quadratischen Teich umgeben und nur über eine Brücke zu erreichen ist. Er geht auf das erste Drittel des  14. Jahrhunderts und die Familie von Greiffenclau zurück, die Erben der Herren von Winkel waren. Der achteckige Treppenturm, der den Donjon flankiert, wurde 1471 angebaut; der Erker ist eine Zutat von 1620.  Über dem Eingang zum Wohnturm prangt das Familienwappen der Greiffenclau. 1684 wurde das heutige zweiflügelige Herrenhaus von Schloss VollradsGeorg Phillip Greiffenclau von Vollrads neben dem Turm erbaut. Sein Sohn Johann  Erwein baute um 1700 die Wirtschaftsgebäude anund versah den Wasserturm mit einem barocken Haubendach. 1907/1908 nahm Gräfin Clara Matuschka-Greiffenclau,  Ehefrau des Wiesbadener Landrates Guido von Matuschka-Greiffenklau, Umbauten vor. Sie ließ den Südtrakt des Herrenhauses um ein drittes Stockwerk erhöhen, zwei Türme mit Zwiebelhauben anbauen, die Terrassen  erweitern und den Erker am Donjon ebenfalls aufstocken. Ab 1935 war Richard Graf Schloss VollradsMatuschka-Greiffenclau, der spätere Präsident und Ehrenpräsident des Deutschen Weinbauverbandes und Landtagsabgeordneter,  Gutsherr auf Schloss Vollrads. 1975 übernahm Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau den hoch verschuldeten Besitz. Allerdings gelang es ihm nicht, den Besitz finanziell zu sanieren. Als die Hausbank die Eröffnung  des Konkursverfahrens über den Besitz beantragte, nahm sich Matuschka-Greiffenclau im Jahr 1997 das Leben. Seitdem gehört der Besitz der Nassauischen Sparkasse, die das Schloss mit seinen Weinbergen und einem  Restaurant bewirtschaftet.

Kloster Eberbach

Kloster EberbachDie Gründung des Zisterzienserklosters in Eberbach geht auf Bernhard von Clairvaux zurück. Nach der Gründung des Klosters Himmerod in der Eifel war das Kloster Clairvaux des Zisterzienserordens sehr um ein weiteres  Tochterkloster in Deutschland bemüht. So kam es am 13. Februar 1136 zur Gründung des Klosters Eberbach durch Abt Ruthard und 12 Mönche, die aus Clairvaux entsandt wurden. Das Kloster stand unter dem Patrozinium der Maria Immaculata und als Nebenpatrozinium Johannes der Täufer. Diese Gründung der Primarabtei Clairvaux war ungewöhnlich, da alle anderen Zisterzienserklöster in Kloster EberbachDeutschland durch die burgundische Primarabtei Morimond gegründet wurden. Grundstock des Klosters Eberbach war ein 1116 von Mainzer Bischof Adalbert I. von Saarbrücken gegründetes Augustiner-Chorherren-Stift. Patron dieses Stiftes war der heilige Thomas. Das Stift wurden jedoch von Adalbert wegen angeblicher Zuchtlosigkeit 1131 von dort wieder vertrieben und siedelte nach St. Ägidius in Mittelheim um. Die Gebäude des Stifts wurden vorübergehend für eine Priorei des Klosters Johannisberg genutzt. So konnten die Zisterzienser die aufgelassenen Gebäude beziehen und davon ausgehend ein neues Kloster nach zisterziensischen Tumbendeckel für Graf Johann II. von Katzenelnbogen (†1357)Idealvorstellungen aufbauen. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss fielen das Kloster und der rechtsrheinische Besitz an das Fürstentum Nassau-Usingen. Das Kloster war Teil der Entschädigung des Fürstentums für dessen linksrheinische Verluste, insbesondere die Grafschaft Saarbrücken. Direkt nach der Besitzergreifung begann eine Kommission des Fürsten mit einer Inventarisierung des Klostervermögens. Das Ziel des evangelischen Fürstentums war die zügige Kontrolle über das Klostervermögen. Die Aufhebung von Klöstern war in dieser Zeit, auch außerhalb Nassaus, allgemein üblich. Während das Kloster EberbachFürstentum alle anderen vermögenden Klöster spätestens im Frühjahr 1803 aufhob, blieb Eberbach noch bestehen. Die Ursache war ein Streit zwischen dem Herzogtum Nassau und dem Großherzogtum Hessen über die Verteilung der Pensionskosten der Klosterangehörigen. Der letzte Abt Leonhard zog in seine Geburtsstadt Rüdesheim. Von dort hielt er den Kontakt zwischen den ehemaligen Klosterangehörigen aufrecht. Er führte das Totenbuch des Klosters noch bis zu seinem eigenen Tod 1818 fort.  Andere ehemalige Klosterangehörige ergriffen den Beruf des Priesters oder setzten sich aufgrund ihres Alters bei ihren Familien zur Ruhe.

Kiedrich

Blick auf die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Valentinus und DionysiusDas tausendjährige Weindorf Kiedrich im Rheingau wird zu Recht oft Schatzkästlein der Gotik genannt. Verschont von Kriegszerstörungen, präsentiert sich der bis heute von Gläubigen besuchte Wallfahrtsort mit der Basilika St. Valentin aus dem 14. Jahrhundert als ein Kleinod mittelalterlicher Architektur. Die Basilika besitzt noch ein komplettes gotisches Inventar, wobei die liebliche Madonna, die um 1500 gebaute, bis heute spielbare Orgel, Glocken von 1389 und 1513 sowie das einzigartige Gestühl besondere Aufmerksamkeit verdienen. Höhepunkt Oberstraße in Kiedricheines Besuches in Kiedrich und seiner berühmten Basilika ist ein sonntägliches im Hochamt mit dem berühmten Stiftschor, der auf 600jährige Tradition zurückblickt und der in Kiedrich, als dem einzigen Ort auf der Welt, den gregorianischen Gesang germanischer Prägung singt. Sehenswert sind außerdem das Renaissance-Rathaus, die alten Bürger- und Adelshöfe und die vielen Fachwerkhäuser. Ganz besondere Aussichten eröffnet die mitten in den Weinbergen gelegene Burgruine Scharfenstein. Sie ist auch das Wahrzeichen Kiedrichs, in dem frühere Historisches Weinhaus Engelauch Mainzer Erzbischöfe residierten. Natürlich ist Kiedrich seit Jahrhunderten eng mit dem Weinbau verbunden, wovon historische Gutshöfe, gastfreundliche Gutsschänken, Straußwirtschaften und Restaurants bis heute zeugen. Schließlich liegt es auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum weltberühmten Zisterzienserkloster Eberbach, das den Weinbau im Rheingau einst weit verbreitete. Jedes Jahr im Juni feiert Kiedrich sein großes Rieslingfest und Brautpaare, die sich im Kiedricher Rathaus das Ja-Wort geben, erhalten sogar einen eigenen Rebstock im „Weinberg der Ehe“.

Abtei St. Hildegard

Abtei St. HildegardNach der Wanderung von Geisenheim nach Kiedrich empfiehlt sich ein Abstecher mit dem Pkw zur Abtei St. Hildegard in Eibingen (Navi-Eingabe für den Besucherparkplatz N49°59’35″ E7°55’50″). Die 1904 von Benediktinerinnen aus der Abtei St. Gabriel in Prag errichtete Abtei steht in der Nachfolge der von der heiligen Hildegard von Bingen gegründeten Klöster Rupertsberg und Eibingen. Das oberhalb von Eibingen 1900–1904 im neoromanischen Stil neu erbaute Kloster wurde von Fürst Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg gestiftet. Es gehört zur Beuroner Kongregation und wurde von den Künstlermönchen der Beuroner Kunstschule ausgemalt. 1941 wurden die Schwestern im Zuge des Klostersturms der Nationalsozialisten von der Gestapo vertrieben und konnten erst nach Kriegsende 1945 zurückkehren. Dem Lebensunterhalt der Gemeinschaft dienen das Klosterweingut, der Klosterladen, die Kunstwerkstätten und ein Gästehaus. Auch werden Wallfahrer und Pilger zum Schrein der hl. Hildegard in der Pfarrkirche von Eibingen betreut.

Wegpunkte Geisenheim-Kiedrich

Route Geisenheim-Kiedrich

WP1   N49°59.1341 E007°58.1067, Bahnhof Geisenheim
WP2   N49°59.9760 E007°59.0330, Schloss Johannisberg
WP3   N50°00.7732 E007°59.7230, Schloss Vollrads
WP4   N50°01.2724 E008°00.2939, Kühns Mühle
WP5   N50°02.4978 E008°02.8445, Kloster Eberbach
WP6   N50°02.4142 E008°04.9292, Parkplatz Kiedrich

Route Geisenheim-Kiedrich (gpx)

Fotoalbum Geisenheim-Kiedrich (Flickr)

Über Dieter

Nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit seit dem 1.10.2012 im Ruhestand. Meine freie Zeit verbringe ich mit Fotografieren, ehrenamtlicher Web-Administration, Desktop Publishing, Digitalisierung von Fonts, Digitalisierung von Hörspielen usw. Daneben interessiere ich mich für Theater und für Kunstgeschichte sowie Geschichte allgemein.
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