Mühlenweg Kürten

Blick vom Mühlenweg auf Kürten

Mit der Kamera unterwegs auf dem Bergischen Streifzug 7

Anfahrt mit Pkw zum Parkplatz am Splash-Bad, Broch 8, 51515 Kürten (Navi-Eingabe N51°3’21“ E7°17’41“).

Tourbeschreibung

Start und Ziel des Mühlenwegs ist das Splash-BadSeit Jahrhunderten nutzen die Menschen im regenreichen Bergischen Land die Kraft des Wassers. Zwischen Wupper und Sieg klapperten einst mehr als tausend Mühlen. Allein in der Gemeinde Kürten lassen sich noch rund 30 Standorte von Mühlen nachweisen. In einigen wurde Getreide gemahlen, in anderen wurden Tierknochen mit Hilfe der Wasserkraft zu Düngemittel zerstampft oder das hochexplosive Schwarzpulver hergestellt. Auch Sägewerke und Hammerwerke erhielten früher ihren Antrieb durch Wasserräder an Bächen und Flüssen. Der Kürtener Mühlenweg begleitet den Wanderer auf einer 13,5 Kirchsaal Pfarrkirche St. MargaretaKilometer langen Rundtour zu den Spuren von zehn historischen Mühlenstandorten. Dabei gibt es sowohl Spannendes über die Geschichte der Mühlen zu erfahren als auch historische Mühlengebäude zu entdecken. Manche sind noch weitgehend originalgetreu erhalten, andere leben lediglich noch im Namen historischer Gastronomiebetriebe oder einzelner Orte fort. Die Funktionsweisen der überaus unterschiedlichen Mühlentypen werden auf den reich bebilderten Infotafeln am Wegesrand ebenso erläutert wie Anekdoten und Redewendungen, in denen die bergische Mühlengeschichte bis heute lebendig ist. Schließlich gilt auch noch im 21. Jahrhundert: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Andreas-Kapelle in BiesenbachStartpunkt für den 13,2 km langen Mühlenweg ist das Freizeitbad Splash an der Landstraße von Kürten nach Wipperfürth. Im Uhrzeigersinn geht es parallel zur Kürtener Sülz flussaufwärts. Kurz vor Junkermühle knickt der Mühlenweg nach Süden ab und steuert über Biesenbach auf Delling im Olpebachtal zu. In Delling gibt es eine kleine evangelische Kirche, die 1834 eingeweiht und 1857-58 durch einen Kirchturm ergänzt wurde. Bevor die Kirche gebaut wurde, traf sich die evangelische Gemeinde in Delling im Alten Pastorat, ein ehemaliger Gutshof, der sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Das Alte Pastorat ist als zweigeschossiges Blick vom Mühlenweg auf die DellingFachwerkhaus mit Walmdach ausgeführt und diente seit 1707 bis zum Bau der Kirche als Gemeindehaus. Über Olperhof und Kohlgrube leitet der Kürtener Mühlenweg nach Olpe. Über Offermannsberg führt der Mühlenweg ins Tal der Kürtener Sülz, passiert diese auf Höhe Waldmühle und leitet dann nach Kürten. Die Kürtener Kirche ist St. Johannes Baptist geweiht und entstand im 11. Jahrhundert. Der Saal musste wegen Baufälligkeit 1843 abgerissen werden, aber der wuchtige Turm mit Pyramidendach stammt noch aus dem Mittelalter. Im Innern findet sich ein Taufbecken aus dem 12. Jahrhundert.

Kürten

Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Kürten Der weithin sichtbare spätmittelalterliche Turm der katholischen Pfarrkirche ist einer der ältesten Zeugen hiesiger Geschichte. Erbaut wurde er im 11. oder 12. Jahrhundert. Um 1308 verzeichnet der Liber Valoris –  eine  Auflistung aller Kirchen als Grundlage zur Eintreibung des Kreuzzugzehnten – den Ort Curtine als Standort einer Kirche. Die Kirche selber war Johannes dem Täufer geweiht. Diese  Namensgebung könnte einen Hinweis darauf geben, dass der Standort des heutigen Gotteshauses möglicherweise bereits zur Zeit der Christianisierung als Taufstätte diente. Und sofern sich diese Vermutung durch gesicherte Erkenntnisse und Funde erhärten sollte, könnte man sogar annehmen, dass es bereits im 8. JahrhuTaufbecken aus dem 12. Jahrhundertndert eine Ansiedlung auf Kürtener Boden gegeben hat.  Aber solange das nicht bewiesen ist, berufen sich die Historiker auf zwei – als gesichert geltende – Erwähnungen der Teilorte Olpe und Bechen aus dem 12. Jahrhundert: In einer Urkunde  aus dem Jahre 1171 bestätigt Erzbischof Philipp von Heinsberg (1167-1191), dass ein Reinald von Olpe (Reinaldum de Olpe eiusque uxor Kunigunde) mehrere in Blankenberg an der Sieg gelegene Höfe sowie eine Mühle an das Nonnenkloster St. Ursula in Köln verkauft habe. Und wenig später, 1175, berichtet eine Urkunde eben dieses Erzbischofs Philipp von Heinsberg, dass ein Reinhard von Kenten beabsichtigt habe, sein Gut in A Beche trans Renum (Bechen, jenseits des Rheins) dem Heiligen Petrus, also der Kirche, zu übertragen, Katholisches Pfarrhaus in Kürten um dort Nonnen anzusiedeln. Zwar sind aus der Zeit des frühen und des Hochmittelalters für die hiesige Gegend nur spärliche schriftliche Quellen überliefert. Gleichwohl steht fest, dass die Grafen  und späteren Herzöge von Berg in jener Zeit auch die obersten Landesherren sind. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts führen diese Herren im ganzen Herzogtum eine Ämterverfassung ein und  sichern damit ihre Herrschaft bis hinein in die entlegensten Gegenden. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gehören Kürten, Olpe, Bechen und Wipperfeld, aber auch die Kirchspiele Lindlar,  Overath, Engelskirchen, Hohkeppel und die Stadt Wipperfürth dem Amt Steinbach an. Der Name geht auf eine ehemals im Bereich der heutigen Gemeinde Lindlar Kirchplatz in Kürtenexistierende Burg Steinbach  zurück, die seinerzeit den Mittelpunkt des Amtes bildet. Mehrere Kirchspiele, die wiederum aus Honschaften bestehen, schließen sich zu einem Amt zusammen. Im Jahre 1739 beispielsweise sind dem Kirchspiel Kürten vier, dem Kirchspiel Olpe drei, dem Kirchspiel Bechen eine und dem zum Kirchspiel Wipperfeld zwei Honschaften zugeordnet. Von großer Bedeutung für die Geschichte der Gemeinde Kürten ist das Gerichtswesen: Da ist zum einen die Hofgerichtsbarkeit, die im ländlichen Raum eine wichtige Rolle spielt. Und da ist zum anderen die  übergeordnete Gerichtsverfassung des Herzogtums Berg, deren Wappen sich bezeichnenderweise und auf das alte Siegel des Kürtener Landgeding aus Hommermühledem Jahre 1555 zurückführen lässt. Über  vier solcher Landgerichte verfügt seinerzeit das Amt Steinbach. Sie sind sämtlich dem Hauptgericht in Porz unterstellt: Nur dort können sie Hilfe bei schwer lösbaren Rechtsproblemen  einholen. Für die Kirchspiele Kürten, Bechen und Olpe sind das Kürtener Landgericht zuständig; Wipperfeld hingegen untersteht dem Landgericht Wipperfürth. Insgesamt sind die  Landgerichte verantwortlich für die niederen Kriminalfälle und darüber hinaus auch für alle strittigen Erbfälle. Den Vorsitz bei allen vier Gerichten führt der Schultheiß, der neben  dem Amtmann das zweithöchste Amt bekleidet. Ihm zur Seite stehen die Scheffen, von denen Kürten zwei, Bechen und Olpe je einen stellen. Das Urteil Ahlenbacher Mühledes Amtsgerichts kann beim Amtsmann  per Appellation angefochten werden. Parallel dazu sind in der Zeit vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die sogenannten Hofgerichte für die Landwirtschaft von großer Bedeutung. Im Jahre 1555 besitzt das Amt Steinbach zwölf solcher Kataster und Grundbuchämter. Ausschließlich diesen Hofgerichten ist es vorbehalten, über Besitzverhältnisse und Übertragungen der  Landbevölkerung im Kürtener Raum, insbesondere bei strittigen Erbangelegenheiten, zu entscheiden. Aus diesem Grund räumt der Landesherr dem ganzen Umstand, also allen Hofsleuten, die  Möglichkeit ein, am Hofgericht und seiner Urteilfindung selbst mitzuwirken. Im Jahre 1806 tritt der damalige Steg über die Sülz nahe der Ahlenbacher MühleLandesherr, Kurfürsten Max Joseph von Pfalzbayern, das Herzogtum Berg an  Napoleon ab, der es 1808 in ein Großherzogtum unter Führung von Joachim Murat umwandelt. 1810 schlägt mit Einführung des Code Civil die Stunde der alten Ämterordnung. Aus den Kirchspielen Kürten, Olpe, Wipperfeld und Bechen werden die Mairies Kürten (Kürten, Bechen) und Olpe (Olpe, Wipperfeld). Sie alle sind dem Kanton Wipperfürth zugeteilt, der seinerseits dem Arrondissement Elberfeld untergeordnet ist. Die preußische Herrschaft übernimmt von 1813/14 an die neue Einteilung fast vollständig. Lediglich werden die nach  französischer Maßgabe definierten politischen Territorialbezeichnungen ins Deutsche übertragen, und so heißen die Kantone Schafe bei Tannenbaumjetzt Kreise, und die Mairies sind nunmehr Bürgermeistereien mit ihren jeweiligen Spezialgemeinden. Die Bürgermeistereien in den neuen Verwaltungsbezirken sind in nahezu allen Verwaltungsbereichen dem Landrat unterstellt. Der wiederum wacht mit  gespitztem Rotstift über die Finanzen der beiden Bürgermeistereien Kürten und Olpe. Die Steuereinnahmen der vier ländlich strukturierten Spezialgemeinden Kürten, Bechen, Olpe und  Wipperfeld sind seit Menschengedenken alles andere als zufriedenstellend; Industrieansiedlungen sind im 19. Jahrhundert noch kaum vorhanden. Die über viele Generationen hinweg bis zum  Äußersten betriebene Praxis der Realteilung erreicht im 19.Jahrhundert schließlich einen Eingang Splash-BadPunkt, wo der Grundbesitz der Menschen, die hierzulande fast ausschließlich von der  Landwirtschaft leben, unter das überlebenswichtige Minimum geschrumpft ist: Realteilung heißt nämlich, dass der Grundbesitz einer bäuerlichen Familie stets aufs neue unter den  jeweiligen Erben aufgeteilt wird, so dass nach wenigen Generationen für die einzelne erbberechtigte Familie eine aufgestückelte Kleinparzelle zurückbleibt, die nichts mehr hergibt.  Infolgedessen herrscht große Armut. Hungersnöte zwingen viele Bewohner dazu, aus dem bergischen Hügelland in die Industriezentren an Rhein und Wupper oder sogar nach Übersee  auszuwandern. Durch diese Landflucht verlieren die beiden Bürgermeistereien Kürten und Olpe im Laufe des 19. Jahrhunderts einen Großteil ihrer Bevölkerung. Aus etlichen Berichten der damaligen Bürgermeister wird deutlich, wie schlecht es um die finanzielle und soziale Situation der damaligen Landbevölkerung steht.

Olpebachtal

Altes Pastorat in der DellingSüdöstlich von Kürten fließt in südwestlicher Richtung der Olpebach, ein rund 6 km langer Bachlauf, der an der Gemarkungsgrenze zu Lindlar entspringt und hinter Sülze in die Kürtener  Sülz einmündet. Das Olpebachtal ist ein dünn besiedeltes Gebiet mit einer reizvollen hügeligen Landschaft, mit Feldern, Wiesen, Mischwald und zahlreichen kleinen, namenlosen  Bachläufen. Im und am Olpebachtal liegen Hembach, Delling, Schultheismühle, Olperhof, Olpermühle, SchultheismühleBüchel, Kohlgrube, Eichen, Olpe und Kaas. Namensgebend für den Olpebach ist das Kirchdorf Olpe, zu dem 43 kleinere Ortsteile sowie Weiler und Hoflagen gehören und das gerne als grünes Herz der Gemeinde Kürten bezeichnet wird.  Zu den sehenswerten historischen Gebäuden in Olpe zählt Haus Olpe, ein Rittersitz, der 1171 erstmals erwähnt wird. Seine heutige Form als Herrenhaus erhielt Haus Olpe im 17. Jahrhundert nach einem Brand. Im Zentrum von Olpe steht die Olpermühlekatholische Pfarrkirche St. Margareta, die 1896-97 als neugotische dreischiffige Hallenkirche erbaut wurde. Ein Vorgängerbau befand sich auf dem alten Friedhof und stammte wohl aus dem 12. Jahrhundert. Die Pfarrkirche St. Margareta gilt als sehr sehenswert, weil sie nahezu unverändert den Baubestand und die Innengestaltung einer bergischen Landkirche aus der Jahrhundertwende zeigt. Sehenswert ist auch die kleine Kreuzkapelle am Friedhof von Olpe. Sie wurde im 16. Blick auf das Kirchdorf OlpeJahrhundert als Anbau an die alte, später abgerissene Kirche gesetzt. Das Portal der alten Kirche aus der Zeit um 1130 wurde 1898 in die Kapelle versetzt. Im Inneren der Kreuzkapelle Olpe wird eine Kreuzreliquie aufbewahrt, ein kleiner Holzsplitter, der vom Kreuz Christi stammen soll. Er war um 1280 von einem heimkehrenden Kreuzritter in die Olper Kirche gebracht worden. Wesentlich jünger ist die evangelische Kirche im Nachbarort Delling,  die 1834 eingeweiht Haus Olpewurde. Lange war der kleine Ort zu arm gewesen für eine eigene Kirche; Gottesdienste wie auch Schulunterricht fanden im alten Pastorat statt. Erst als das Bergische Land nach dem Wiener Kongress an das evangelische Preußen ging, das den Kirchenbau bezuschusste, konnte die evangelische Kirche in Delling errichtet werden. Das heute denkmalgeschützte Kirchengebäude wurde 1857-58 durch einen Kirchturm ergänzt. Bevor die Kirche gebaut wurde, traf sich die evangelische Kreuzkapelle am Friedhof von OlpeGemeinde in Delling im Alten Pastorat, ein ehemaliger Gutshof, der  sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Das Alte Pastorat ist als zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Walmdach ausgeführt und diente seit 1707 bis zum Bau der Kirche als  Gemeindehaus. Ähnlich alt ist die Geschichte der Schultheismühle, die im bergischen Dialekt auch Moilen in der Oilpe genannt wird, also auf gut Hochdeutsch: Olper Mühle. Ihre erste  urkundliche Erwähnung datiert auf 1383. Der Betrieb der früheren Getreidemühle wurde 1958 eingestellt. Obergraben, Wehr und Teiche in der Wiese sind noch erkennbar. Die Schultheismühle wird heute als Wohnhaus genutzt.

Wegpunkte Mühlenweg

Route Mühlenweg Kürten
WP1   N51°02.2934 E007°17.8620, 193 m,    Station A
WP2   N51°02.2603 E007°17.8562, 193 m,    Station B
WP3   N51°02.6366 E007°18.1001, 232 m,    Station C
WP4   N51°02.8881 E007°18.4000, 175 m,    Station D
WP5   N51°02.5305 E007°18.1422, 189 m,    Station E
WP6   N51°02.4722 E007°17.9943, 200 m,    Station F

Etappenroute (gpx)

Fotoalbum (Flickr)

Über Dieter

Nach fast 50 Jahren Berufstätigkeit seit dem 1.10.2012 im Ruhestand. Meine freie Zeit verbringe ich mit Fotografieren, ehrenamtlicher Web-Administration, Desktop Publishing, Digitalisierung von Fonts, Digitalisierung von Hörspielen usw. Daneben interessiere ich mich für Theater und für Kunstgeschichte sowie Geschichte allgemein.
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2 Antworten auf Mühlenweg Kürten

  1. Kunibert Förster sagt:

    Sehr schöne Bildserie! Vor allem interessant: Alles in einen bunten Strauß Geschichte verpackt.
    Übrigens, der Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung e. V. hat eine 60-seitige Broschüre zu dem Streifzug herausgebracht. Darin sind zusätzlich zu den Informationen über Mühlen viele andere Dinge am Wegesrand beschrieben (Wegekreuze, Kapellen etc.). Weitere Info auf der Vereinsseite http://www.gv-kürten.de.

  2. Rainer Stahlke sagt:

    Ausführliche Ergänzung zum Historischen Mühlenweg Kürten, vielen Dank. Bei den Fotos hat offensichtlich das Wetter gut mitgespielt.
    Mehr Historie zur Olper Mühle, dem Haus Olpe, den Kürtener Fachwerkhäusern, der Landwirtschaft und vieles mehr gibt es ab dem 18.11.2016 im Band 10 des Kürtener Geschichtsvereins. Zu erhalten bei Bücher Wolf, Kürten und anderen Vorverkaufsstellen, siehe http://www.gv-kürten.de

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